Herthafreundin-Kolumne "Schiri Miri"
Anpfiff. Dies ein Auftakt, auf den ich mich eine ganze Hinrunde lang gefreut habe. Auch wenn ich mich eine ganze Hinrunde lang nicht oft gefreut habe. Und ich mein Glück zuletzt in allem fand - Hauptsache keine Niederlage. Ab heute schreibe ich hier für alle Herthafreundinnen. Und die, die es noch werden möchten. Über meine Lust oder meinen Frust am Fußball. Dem von Hertha. Und dem der anderen Teams.
Ich bin Miriam. Im beruflichen Leben Moderatorin. Im privaten Leben keine furchtbar blöde Zippe, glaube ich. Im Herzen: Mathemädchen. Ehrlich. Kurvendiskussionen und Integralrechnungen haben eine gewisse Erotik für mich. Mit Geometrie lass ich mich locken und zu einem Date sage ich der Wahrscheinlichkeitsrechnung nach ziemlich sicher zu, wenn „er“ Pythagoras heißt.
Keine leichte Hinrunde
Man muss kein Mathemädchen sein, wenn man feststellt, dass das keine leichte Hinrunde war. Und auch keine schöne. Und von zählbarem, rechnerischen Erfolg will ich gar nicht reden. Ich meine nicht, was die Spieler zu verkraften hatten. Rückschläge. Niederlagen. Ungerechtigkeiten. Ich meine jetzt ausnahmsweise mal mich. Uns. Die Fans. Wochenende für Wochenende wird das Säcklein gepackt: Herthaschal, Trikot, die Rassel und zwei farbige Streifen ins Gesicht. Immer wieder mit Bemalung in den Krieg. Und viel zu oft als Besiegter vom Platze gehen.
Zuhause die seelischen Wunden versorgen (mit einer Tafel Schokolade). Den Ärger wegschimpfen (mit den ordinärsten Ausdrücken, die einem einfallen. Zum Beispiel: Pillermannsackarschgesicht!). Und wenn gar nichts mehr hilft, zur Allzweckwaffe fürs Wohlbefinden greifen: shoppen gehen. Und dabei auf die Grundrechenarten „Minus geht nur, solange noch Plus da ist“ pfeifen. Und zwar gehörig. Aufrichten. Die Mannschaft stärken. Immer wieder aufrichten. Hoffnung schöpfen. Dran glauben. Wenn keiner mehr dran glaubt. Und: das alles, egal, wie schwer die Bürde wird.
Es muss und WIRD sich etwas ändern
Ich bin seit der Hinrunde pleite. Es könnte auch Weihnachten schuld sein. Fest steht: es muss sich etwas ändern. Und das WIRD es auch. Statistisch gesehen hat es zwar noch kein Club geschafft, mit diesem Rückstand den Abstieg zu verhindern... aber: traue keiner Statistik, die du nicht selbst berechnen kannst.
3 Siege und ein Unentschieden auf der einen, der guten, der Hertha-Seite reichen, wenn Bochum (böse, Loser, buuuh!) in gleichem Maße vergeigt bzw. einmal unentschieden spielen darf. Die Chance dafür steht nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnungskunst (1/3) hoch 4. Für beide. Dazu braucht es keine Zahlenjonglage mit pi. Wenn überhaupt, dann mit „li“:
Ich, das Mathemädchen, glaube nämlich an das „Wunder von Ber-li-n“. Abpfiff.


