Augenblick
Kapellenpfarrer Dr. Bernhard Felmberg
Ingo Schiller, Klaus W. Fischer, Dr. Bernhard Felmberg und Dieter Hoeneß (v.l.n.r.)
Am 20. Mai 2006 wurde die Kapelle im Olympiastadion Berlin mit einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet und bietet seitdem Sportlern einen christlichen Andachtsraum. In der Kapelle des Stadions, deren Wände aus Blattgold mit Versen aus dem Alten und dem Neuen Testament verziert sind, trifft Herthafreundin-Reporterin Nicole den Sportpfarrer der Evangelischen Landeskirche, Herrn Dr. Bernhard Felmberg, zu einem Gespräch über Glauben im und außerhalb des Sports.
Herthafreundin: Lieber Bernhard, ich freue mich, dass du dir in der turbulenten Adventszeit Zeit für uns nimmst. Wie geht es dir?
Dr. Bernhard Felmberg: Sehr gut. Die Adventszeit ist ja dafür da, dass man sich auf Weihnachten vorbereitet und etwas zur Ruhe kommt. Das ist der Anspruch, aber die Wirklichkeit sieht eher anders aus. Ich mache den Spagat zwischen Krippenspielprobe, Andachten im Stadion und meinen eigentlichen Tätigkeiten.
Herthafreundin: Seit wie vielen Jahren bist du im Amt des Sportpfarrers und wie kam es zu dieser Berufswahl?
Felmberg: Sportpfarrer bin ich seit 1999. Das habe ich mir nicht ausgesucht, sondern wurde von der Kirchenleitung in dieses Ehrenamt gewählt, weil ich selbst viele Jahre intensiv Sport getrieben habe und die Kirche mir zutraute, dass ich gute Kontakte zum Sport aufbauen würde. Ich glaube, das hat bislang auch funktioniert.
Herthafreundin: Was genau gehört zu deinem Aufgabenbereich?
Felmberg: Ich kümmere mich um rund 2.000 Menschen, die in unseren Gemeinden sportlich in der Evangelischen Sportarbeit engagiert sind. Da gibt es für eine Reihe von Sportarten eine richtige Kirchenliga mit mehreren Leistungsklassen: übrigens auch im Fußball. Ich halte Andachten in großen Sporthallen, oft bei Volleyball- oder Tischtennisturnieren. Die Kirchen organisieren Deutsche Meisterschaften oder auch Europa- und Weltmeisterschaften. Die Kirche ist in Bewegung. Da staunst Du, was? Aber ich bin auch Seelsorger für unsere Sportler. Das ist wenig spektakulär, aber wichtig.
Herthafreundin: Im Februar übernimmst du das Amt als Bevollmächtigter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Was bedeutet diese berufliche Veränderung für dich?
Felmberg: Das ist eine große Herausforderung, denn ich werde quasi zum "evangelischen Botschafter" bei der Bundesregierung und beim Europäischen Parlament. Als Kirche begleiten wir die politischen Entwicklung und die Gesetzesvorhaben. Meine Aufgabe wird sein, die evangelische Sicht der Dinge der Politik nahe zu bringen und politische Entwicklungen in die Kirche hinein zu kommunizieren. Ich habe ein Büro in Berlin und in Brüssel. Ich bleibe jedoch hauptsächlich in Berlin und damit darf ich auch weiterhin im Stadion als Pfarrer agieren. Das freut mich sehr!!
Herthafreundin: Kommen wir zu deinem "Zögling" – der Kapelle im Olympiastadion Berlin. Was bedeutet dir die Kapelle und wie wird sie genutzt?
Felmberg: Sie ist einfach wunderbar, bietet Ruhe und Wärme, lädt zum Verweilen und Nachdenken ein. Sie verkündigt die Liebe Gottes und spricht davon, dass alle Menschen, ob reich oder arm, ob Fußballstar oder Fan aus der Ostkurve vor Gott gleich sind. Hier treffen sich eine Stunde vor jedem Heimspiel die unterschiedlichsten Leute, die sonst sehr weit auseinander sitzen. Das ist etwas Besonderes. Du glaubst gar nicht wie viele Kinder von Hertha-Fans ich schon getauft habe und so mancher hart gesottener Herthaner hat seiner Frau hier schon das Ja-Wort vor dem Altar gegeben. Und auch wenn Menschen sterben, sind wir da. Wir begleiten Schulklassen, Konfirmandengruppen und Gemeindekreise, die alle die Kapelle kennen lernen wollen. Ich bin froh, dass die Kapelle selten leer steht.
Herthafreundin: Wie schaffst du den Spagat, in der glamourösen Welt des Fußballs die kirchlichen Werte zu vermitteln?
Felmberg: Mir ist wichtig, dass die Menschen, die hier arbeiten begreifen, dass es mehr gibt als Geld und Erfolg. Als Pfarrer stehe ich für unsere christlichen Werte ohne, dass ich etwas gegen Geld oder Erfolg hätte. Ich finde es super, wenn Hertha gewinnt, aber es gibt noch etwas anderes in unserem Leben. Der Vers, der als Motto an unserer Kapelle steht heißt ja: "Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?" Wenn man erst einmal einen Schaden an der Seele hat, staunt man, dass dieser schlimmer ist als manch anderes. Das gilt auch für Fußballprofis. Dann heißt es aber, wenn er nicht trifft: "Er ist nicht ganz frei im Kopf!" Ich glaube, dass das alles sehr mit der Seele zu tun hat. Ich begleite einige Menschen bei Hertha und ermuntere sie, Ihren Glauben zu leben und auch deutlich zu artikulieren. Das befreit die Seele. Denkst Du es war Zufall, dass wir die UEFA-Cup-Teilnahme über die Fair-Play-Wertung erreicht haben?
Herthafreundin: Hattest du auch schon in der Kindheit und Jugend einen großen Bezug zum Sport?
Felmberg: Na klar! Neben dem Pfarrhaus, in dem ich aufwuchs, war ein großer schöner Fußballplatz. Da habe ich schon als Knirps geknödelt und später richtig beim Wilmersdorfer Sportclub gespielt. Beim Abitur hatte ich Sport Leistungskurs. Das ging sogar bis in die erste Mannschaft, dann kam das Studium und die Gewichte verlagerten sich. Seitdem kicke ich nur noch gelegentlich.
Herthafreundin: Bist du Fan von Hertha BSC und verfolgst du die Spiele live im Stadion bzw. im Fernsehen?
Felmberg: Ich bin in Wilmersdorf aufgewachsen. Na klar war ich schon früher Hertha-Fan, auch wenn man es in den 80ern und 90ern nicht immer leicht hatte mit seinem Verein. Seit 1996/97 hatte ich dann einige Jahre eine Dauerkarte bis zum Umbau des Stadions. Jetzt freue ich mich auf jedes Heimspiel. Es macht Freude, Mitglied bei Hertha BSC zu sein.
Herthafreundin: Hast du Kontakt zu den Spielern von Hertha BSC?
Felmberg: Es war ein langer Weg, aber inzwischen kann ich diese Frage mit "Ja" beantworten. Mit Arne Friedrich steh ich in engem Kontakt. Der Kapitän unserer Mannschaft kommt regelmäßig in die Kapelle zum Gespräch und zum Gebet und inzwischen organisiert er so manche Andacht zwischen den Trainingseinheiten auch innerhalb der Woche. Bei einer der letzten Andachten waren 10 Hertha-Spieler dabei. Das finde ich gut – und ich glaube, dass unsere Spieler auch keine Berührungsängste mehr haben. Ich bin jetzt nicht nur Sportpfarrer, sondern auch so eine Art "Hertha-Pfarrer".
Herthafreundin: Welche Schlagzeile gefällt dir besser: "Kapelle des Olympiastadions platzt beim Hertha-Spiel aus allen Nähten" oder "Hertha BSC trägt die Schale durchs Brandenburger Tor"?
Felmberg: Da die Kapelle schon jetzt oft aus allen Nähten platzt, ist dieses Gebet schon in Erfüllung gegangen. Jetzt möchte ich erleben, dass auch ein anderes Gebet in Erfüllung geht, nämlich, dass Hertha BSC Meister wird... und dann tragen wir doch die Schale nicht nur durch das Brandenburger Tor, sondern durch ganz Berlin, oder?
Herthafreundin: Gibt es eine besonders schöne Begegnung mit einem Sportler von der du uns berichten möchtest?
Felmberg: Die gibt es, aber die fällt unter das Beichtgeheimnis. Das ist ja das Schöne, Du kannst mir als Geistlichem alles erzählen und ich behalte es für mich, weil ich Pfarrer bin. Solche Gespräche gehören zu den intensivsten Begegnungen, die ich erlebe, weil hier Menschen offen reden. Wann tun wir das schon?
Herthafreundin: Was wünscht du dir für dich persönlich, für die Kapelle im Stadion und für Hertha BSC?
Felmberg: Ich wünsche mir, dass ich trotz der starken berufliche Belastung, weiterhin die Freude und Ehre haben darf, an dieser Stelle, Gottes Wort zu verkündigen und unserem Verein in Wort und Tat zur Seite zu stehen. Und ich hoffe, dass ich noch viele Hertha-Fans in unserer Kapelle begrüßen darf.
Herthafreundin: Zum Abschluss würden wir uns über einen kurzen Segen für die Adventszeit und das bevorstehende Weihnachtsfest sehr freuen und hoffen auf weiterhin viele erfolgreiche Zeiten der Kapelle und von Hertha BSC.
Felmberg: Der Herr segne Dich und behüte Dich. Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über Dir und sei Dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf Dich und gebe Dir seinen Frieden. Amen
November 2008: Julia Frank zu Besuch bei Hertha BSC
Oktober 2008: Hertha BSC Mannschaftsbus
September 2008: GOAL Fußballgeschäft
August 2008: Herthafreundin unterwegs
Juli 2008: Magdalena Palewicz
Juni 2008: Urs Meier
Mai 2008: Minh Kai
April 2008: Andrea Sawatzki
März 2008: Gabriele Handel-Jung
Februar 2008: Johannes B. Kerner
Januar 2008: Best Of 2007
Dezember 2007: Weihnachtsmann
November 2007: Claudia Roth
Oktober 2007: Die Fußballweltmeisterinnen "Lira" Bajramaj und Nadine Angerer
September 2007: Minh Khai
August 2007: Anna Fischer von "Panda"
Juli 2007: Sängerin Joana Zimmer
Juni 2007: Hockey-Nationalspielerin Fanny Rinne
Mai 2007: Carolin Beil
April 2007: GZSZ-Stars
März 2007: Nora Tschirner
Februar 2007: Eisschnellaufstar Claudia Pechstein

