Wissenswertes

In der letzten Ausgabe der Herthafreundin haben wir euch von U17-Trainer Thomas Krücken berichtet. Diesmal geht es um eine Kollegin von ihm, Silvia Neid. Sie ist Trainerin der deutschen Frauennationalmannschaft und berichtet von ihrer Laufbahn beim DFB.

Meine Trainerlaufbahn beim DFB - von Silvia Neid

Silvia Neid Foto: Marcus Müller MM-Fotodesign

Wie wird man Bundestrainerin? Eine gute Frage. Denn es gibt eigentlich keine eindeutige Antwort darauf. Es gibt keine Musterkarriere dafür. Nicht im Allgemeinen. Und auch nicht im Speziellen, was den DFB betrifft, schließlich bin ich nach Gero Bisanz und Tina Theune-Meyer erst die dritte Trainerin in der 25-jährigen Gesichte der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. Und ich weiß auch nicht, ob sich meine Trainerin-Laufbahn als Paradebeispiel eignet. Vielmehr glaube ich, dass viele Wege in dieses Amt führen können.

Meiner ist schnell skizziert. Ich spiele Fußball, seit ich klein war. Ich liebe diesen Sport und habe deswegen immer versucht, mich zu verbessern. Ich hatte allerdings auch das Glück, gute Trainer und Mitspielerinnen gehabt zu haben. Ich durfte stets in starken Mannschaften spielen und konnte so den Gewinn von sieben Deutschen Meisterschaften feiern und habe sechsmal den DFB-Pokal gewonnen. Mit 18 bin ich das erste Mal in die Nationalmannschaft berufen worden. Nach 111 Länderspielen habe ich dann meine aktive Laufbahn beendet. Das war 1996 nach den Olympischen Spielen. Direkt danach verpflichtete mich der DFB als Trainerin. Zunächst war ich für die weiblichen Nachwuchsnationalmannschaften zuständig und Assistenztrainerin bei den Frauen. Als Tina Theune-Meyer sich dann entschloss, ihren nach der EURO 2005 auslaufenden Vertrag nicht mehr zu verlängern, wurde ich befördert.

Lizenz zum Fußball-Lehrer

Das war die Idee und der Wunsch des DFB-Präsidiums. Dieses Gremium entscheidet, wer Bundestrainerin wird. Die ihm zugehörigen Personen beraten darüber, wer geeignet für den Posten ist. Sie können sich als Grundlage dazu Informationen und Empfehlungen aus den Fachabteilungen des DFB einholen. Ein ganz maßgebliches Kriterium für die Ernennungen eines Trainers in dieses Amt ist, dass er oder sie die höchste deutsche Trainer-Ausbildung erfolgreich absolviert hat und damit im Besitz der Fußball-Lehrer-Lizenz ist. Im Speziellen Fall war man auch der Meinung, dass weiterhin eine Frau die Frauen-Nationalmannschaft trainieren solle.

Ich habe die Fußball-Lehrer-Lizenz 1997 erworben, ich war in einem Lehrgang unter anderem zusammen mit Bernd Schuster, Rudi Bommer und Ralf Zumdick. Die Lizenz zum Fußball-Lehrer kann man nur beim DFB erwerben. Dazu muss man einen elfmonatigen Lehrgang an der Sporthochschule in Köln belegen. Darin enthalten ist unter anderem ein vierwöchiges Praktikum bei einem Verein. Wer die Prüfung besteht, ist prädestiniert für eine hauptamtliche Stelle als Trainer.

A- und B-Schein sind Voraussetzung

Um zu dieser höchsten Trainer-Ausbildung zugelassen zu werden, muss man vorher allerdings schon die anderen Trainer-Scheine für die anderen Ebenen erworben haben. Die zweithöchste Lizenz ist der A-Schein. Ihn vergibt ebenfalls der DFB. 80 Lerneinheiten zuzüglich einer Prüfung müssen dafür absolviert werden. Wer sie besteht, eignet sich für die Amateur-, Junioren- oder Frauen-Mannschaft sowie als Honorartrainer in den Landesverbänden.

Darunter sieht das Trainerlizenzsystem des DFB den B-Schein vor. Auch dieses Zertifikat kann nur der DFB aushändigen. Dazu muss man 60 Lern- und 20 Prüfungseinheiten erfolgreich beenden. Hier sollen vornehmlich die Kenntnisse über leistungsorientiertes Junioren-Training vertieft werden. Das heißt, es ist die Fortführung der C-Trainer-Ausbildung, die die erste Stufe im Trainerlizenzsystem ist. Dieser Schein kann dezentral in den Landesverbänden des DFB erworben werden.

Weitere Vorstufen in der Trainer-Ausbildung

Darüber hinaus gibt es noch Vorstufen in der Trainer-Ausbildung, wie den C-Trainer-Breitenfußball oder Teamleiter-Ausbildungen. Diese Lehrgänge werden auch von den Landesverbänden angeboten und sind ein guter Einstieg für jeden, der über das autodidakt angeeignete Wissen fachlich strukturiertes Training anbieten will.

In der großen Mehrzahl der Fälle setzen die Trainer ihr Wissen in den mehr als 25.000 Vereinen in Deutschland ein. Die Zahl der Auswahl-Trainer, wie ich eine bin, ist dagegen sehr gering. So unterscheidet sich der Job der Bundestrainerin auch wesentlich von dem eines Bundesliga-Trainers. Am deutlichsten erkennt man das daran, dass in den Vereinen täglich mit der Mannschaft gearbeitet werden. Als Bundestrainerin habe ich das Team immer nur punktuell zusammen und wenig Zeit. Entsprechend absolviert die Nationalmannschaft auch weniger Spiele als die Klub-Teams.

Leistungsefälle wird geringer

Das Interessante an meinem Job ist, dass man mit den besten Spielerinnen aus ganz Deutschland arbeiten darf. Wir trainieren und spielen auf höchstem Niveau. Da das Leistungsgefälle im internationalen Vergleich immer geringer wird, machen mittlerweile Nuancen den Unterschied aus. Das fordert mich selbst und macht meine Aufgabe aber auch sehr spannend und reizvoll. 

 

 

Aus dem Mai 2008: Nachwuchsbetreuung bei Hertha BSC 

Aus dem April 2008: Nachwuchsarbeit bei Hertha BSC

Aus dem März 2008: Bundesliga-Spielplan

Aus dem Februar 2008: Scouting

Aus dem Januar 2008: Best-Of

Aus dem Dezember: Spielberichtsbögen

Aus dem November: WM-Bewerbung

Aus dem Oktober: kicker-Noten

Aus dem September: Greenkeeper Alan Cairncross

Aus dem August: Fußballschuhe mit Hendrik Herzog

Aus dem Juli: Fußballtechnik mit Sascha Adler

Aus dem Juni: Trainingsmethoden mit Sven Kretschmer

Aus dem Mai: Wie "ticken" Schiedsrichter mit Kevin Langner

Aus dem April: Fußball-Kommandos mit Kevin Stuhr Ellegaard

Aus dem März: Falko Götz erklärt seine Spielsysteme

Aus dem Februar: "Tiere" im Fußball