Wissenswertes

In der letzten Ausgabe der Herthafreundin haben wir über das HERTHA BSC Internat, als Teil der HERTHA BSC Akademie, berichtet. Anknüpfend an diesen Artikel möchten wir Euch heute die Arbeit von Thomas Krücken, einem weiteren wichtigen Teammitglied im Rahmen der Jugendarbeit bei HERTHA BSC, vorstellen.

Nachwuchsbetreuung bei HERTHA BSC

Herthafreundin Jessica Meyer im Interview mit Herthas U17-Coach Thomas Krücken

Thomas Krücken studierte an der Deutschen Sporthochschule und Universität Köln Sport, Deutsch und Englisch. Neben dem Studium suchte er immer den Kontakt zu Jugendlichen, er trainierte unter anderem die E-Jugend von Manchester City, hospitierte bei Paris St. Germain oder widmete sich Aufgaben in der Jugendförderung beim 1. FC Köln. Nachdem sich die Perspektive im Jugendbereich bei HERTHA BSC zu arbeiten auftat, ließ er, wenn auch mit einem weinendem Auge, seine Heimat Köln hinter sich und konzentriert sich nun auf die Arbeit mit den Jugendlichen bei HERTHA BSC.

Hier trainiert er die U17 Bundesligamannschaft und arbeitet als pädagogischer Leiter. Zusammen mit einem Team aus weiteren Trainern und Pädagogen entwickelte er ein 2-Phasenmodell für die Betreuung der jungen HERTHANER am Nachmittag“. Dabei steht neben der fußballerischen Ausbildung vor allem die sozialpädagogische Aus- und Weiterbildung der Jugendlichen im Vordergrund.
1. Phase: Nachmittagsbetreuung (beinhaltet Essen und Hausaufgaben)
2. Phase: Sozialpädagogische Betreuung

Die 1. Phase wurde zur Saison 07-08 eingeleitet und wird in der neuen Saison noch auf den Kleinfeldbereich ausgedehnt. Die 2. Phase startet zur Saison 08-09.

Ernährungsbewusstsein im Leistungssport fördern

Im Rahmen der Jugendarbeit bei HERTHA BSC versucht Thomas Krücken mit seinem Team, bei den Jungs das Bewusstsein für eine ausgewogene und gesunde Ernährung zu schaffen. Ein Leistungssportler im Jugendalter sollte täglich ca. 3600 Kalorien (Anm. d. Red.: Davon träumen wir Frauen!) zu sich nehmen, damit die Vorraussetzungen für die körperlichen und geistigen Anforderungen der Jungs sichergestellt sind. Mit Hilfe des Computers werden die Speisen eines jeden Spielers registriert und am Ende des Monats analysiert.

Die Jugendlichen können täglich zwischen unterschiedlich gesunden Menüs entscheiden. Signalisiert wird das Ganze durch die Farben grün (sehr gesund), gelb (darf man essen) und rot (z.B. Schweinebraten oder Döner, wobei nach Thomas Krücken auch diese Speisen hin und wieder erlaubt sind). Neben der monatlichen Ernennung des Mr. Greens, sollen die Jugendlichen auch durch plastische Darstellungen für das Thema gesunde Ernährung sensibilisiert werden. So ist den Räumen von HERTHA BSC momentan eine Zuckerausstellung zu sehen, der bald eine Kohlenhydratausstellung folgen soll.

Ein Teil der Zuckerausstellung in der Akademie von HERTHA BSC

Insgesamt helfen sind acht Nachhilfelehrer dazu da, den Jungs bei ihren Hausaufgaben zu helfen und sie individuell auf die bevorstehenden Klassenarbeiten vorzubereiten. Versäumter Unterricht (Nationalmannschafts-lehrgänge, Länderspiele) wird in Kooperation mit dem DFB aufgearbeitet. Das Ziel ist es, dass kein Lernstoff verpasst wird und dadurch alle Jugendspieler einen Abschluss anstreben. Mit Blick auf die einzelnen Schulordner (eigenverantwortlich geführt, sollen die Selbständigkeit fördern) der Jungs lassen sich auch schon deutliche Verbesserungen im Notenspiegel feststellen.

Natürlich funktioniert ein organisiertes Zusammenleben in einer Gemeinschaft nicht ohne Regeln. Dabei steht die Einbindung der Jugendlichen bei der Formulierung der Regeln im Mittelpunkt. Laut Thomas Krücken ist das einer der Schlüssel zum Erfolg. „Durch die Beteiligung der Jugendlichen wird eine Verbindlichkeit geschaffen, die sich auszahlt.“ Einfache Werte, wie „keine Mütze beim Essen tragen“ oder „auf den letzten beim Essen warten“ sind hierbei nur Kleinigkeiten, die für Thomas Krücken aber durchaus von Bedeutung sind. Wichtig ist dabei aber immer, dass die persönliche Entwicklung eines Einzelnen nicht auf der Strecke bleibt, sondern konstruktiv gefördert wird. 

Weiterentwicklung des sozialpädagogischen Konzepts

Hier setzt die zweite Phase ein, die in Zusammenarbeit mit Michael Preetz, Frank Vogel, Karsten Heine, Bernd Erdmann und Prof. Löhmannsröben entwickelt wurde. Für Thomas Krücken und sein Team liegt in der Weiterentwicklung des sozialpädagogischen Konzepts die Zukunft. Die soziale und personale Kompetenz  der Jugendlichen soll in Workshops und Seminaren gefördert werden.  Im Rahmen eines HERTHA-Jugendtags soll am Anfang der neuen Saison der Startschuss für die sozialpädagogische Arbeit mit den Jungs gegeben werden. Hier werden die Jugendlichen neben dem gemeinsamen Training in Teams arbeiten um z.B. ihren Aufenthaltsraum (der nach Meinung von Thomas im Moment noch einer Zahnarztpraxis gleicht) jugendfreundlich zu gestalten oder einen HERTHA-Rap zu komponieren.  Aber die Vorstellung von Pädagogen in Birkenstock könnt ihr gleich bei Seite schieben, denn dieses Vorurteil wird in Person von Thomas Krücken nicht bestätigt.

Aus eigener Erfahrung weiß Thomas Krücken, dass sich der Traum des Leistungsfußballers nicht für jeden erfüllt. Umso wichtiger ist es für ihn, den Jugendlichen auch andere Perspektiven aufzuzeigen. „Man muss Ihnen die Chance geben, einen Plan B zu entwickeln.“ Die Vermittlung von Werten und Normen, die heutzutage oft auf der Strecke bleiben, spielt dabei eine zentrale Rolle.

Wir sind gespannt, wie es in der Akademie weitergeht.

 

Aus dem April 2008: Nachwuchsarbeit bei Hertha BSC

Aus dem März 2008: Bundesliga-Spielplan

Aus dem Februar 2008: Scouting

Aus dem Januar 2008: Best-Of

Aus dem Dezember: Spielberichtsbögen

Aus dem November: WM-Bewerbung

Aus dem Oktober: kicker-Noten

Aus dem September: Greenkeeper Alan Cairncross

Aus dem August: Fußballschuhe mit Hendrik Herzog

Aus dem Juli: Fußballtechnik mit Sascha Adler

Aus dem Juni: Trainingsmethoden mit Sven Kretschmer

Aus dem Mai: Wie "ticken" Schiedsrichter mit Kevin Langner

Aus dem April: Fußball-Kommandos mit Kevin Stuhr Ellegaard

Aus dem März: Falko Götz erklärt seine Spielsysteme

Aus dem Februar: "Tiere" im Fußball