Wissenswertes

In dieser Ausgabe der Herthafreundin widmen wir uns dem Thema Nachwuchs und möchten Euch das Hertha BSC Internat als Teil der Hertha BSC Akademie vorstellen. Dazu haben wir mit dem Internatsleiter Harald Ramin gesprochen, der sich zusammen mit seiner Frau Regina um die Internatsbewohner kümmert.

Nachwuchsarbeit bei Hertha BSC

Sie betreuen Herthas Internatsspieler: Harry und Regina Ramin

Herthafreundin: Seit wann gibt es das Hertha BSC Internat?
Ramin: Wir sind jetzt im siebten Jahr. Die Eröffnung des Internats war im Sommer 2001. Vorher hatten wir einige Apartmentwohnungen, in denen u.a. auch Alexander Madlung und Alexandar Mladenov gewohnt haben. Die Apartments waren in der Eisenzahnstraße in Berlin Wilmersdorf und die Spieler, die zu dem Zeitpunkt dort wohnten, wurden von meiner Frau und mir betreut.  

Herthafreundin: Wieso hat Hertha BSC ein Internat eröffnet?
Ramin: Nach dem Ausscheiden im Viertelfinale der WM 98 gegen Kroatien und dem kläglichen Ergebnis der EM 2000 sah sich der Deutsche Fußballbund gezwungen, mehr für den Fußballnachwuchs zu tun. Das Konzept für die bundesweite Nachwuchsarbeit wurde vom DFB und den Bundesligavereinen erstellt und die Kriterien sind mittlerweile Bestandteil der Lizenzierung (Anm.d.Red. siehe Regel des Monats). Jeder Bundesligaverein muss Unterbringungsmöglichkeiten nachweisen (Internat oder Gasteltern). Hertha BSC hat sich entschieden, das Thema Jugendarbeit sehr ernst zu nehmen und ein Internat aufzubauen, was höchsten Ansprüchen genügt. Unter der Federführung von Dieter Hoeneß wurde der Aufbau von Falko Götz geleitet.

Herthafreundin: Was genau sind ihre Aufgaben?
Ramin: Meine Frau und ich sind für die Betreuung der Internatsbewohner rund um die Uhr zuständig, dass heißt 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche. Wir sind die ersten Ansprechpartner für die Jungs und sichern den normalen Tagesablauf, dass sie sich auf die Schule und natürlich auf den Fußball konzentrieren können. Wir kümmern uns um Arzttermine, übernehmen Behördengänge oder organisieren die notwendigen Papiere und fahren die Jungs zur Schule oder zur Ausbildung. Auch die alltäglichen Aufgaben, die so anfallen übernehmen wir, wie z.B. kochen, Wäschewaschen und einkaufen.

Herthafreundin: Wie ist der Tagesablauf im Internat?
Ramin: Gegen 7.00 Uhr stehen wir auf und dann gibt es erstmal ein gemeinsames Frühstück. Dann fahre ich die Jungs in die Schule oder zu Ihrem Ausbildungsplatz. Meine Frau kümmert sich derweil um den Haushalt. Am Nachmittag bieten wir eine Nachmittagsbetreuung an, dass heißt zusammen mit unserem Pädagogen Thomas Krücken helfen wir bei den Hausaufgaben und es gibt auch die eine oder andere Nachhilfestunde, wo es notwendig ist. Wir sind darum bemüht diese Nachmittagsbetreuung weiter auszubauen und neue Konzepte sind schon in Arbeit. Zwischen 17 und 20 Uhr sind die meisten Jungs im Training. Um 20 Uhr gibt es ein gemeinsames Abendessen. Leider gelingt es nicht immer, alle Jungs an einen Tisch zu bekommen. Um 23 Uhr ist dann jeder auf seinem Zimmer verschwunden und es ist Nachtruhe. Unsere „Kücken“ gehen allerdings schon etwas früher schlafen.

Herthafreundin: Welche Regeln gibt es für die Internatsbewohner?
Ramin: Regel Nummer 1 ist: Kein Damenbesuch! Wenn einer unserer Zöglinge allerdings eine neue Liebe hat, dann darf er sie angemeldet mitbringen, da wir sie auch kennen lernen möchten. Er darf ihr das Internat und auch sein Zimmer zeigen. Das hat den schönen Nebeneffekt, dass die Jungs dann auch mal freiwillig ihre Bude aufräumen. Ansonsten haben wir keine starren Regeln und mit uns können die Jungs über alles reden. Wir sind ja schließlich kein Gefängnis. Grundsätzlich gilt aber, dass alle an einem Strang ziehen und respektvoll miteinander umgehen.

Herthafreundin: Wie eng ist Ihr Kontakt zu den Familien der Spieler?
Ramin: Der Kontakt zwischen uns und den Familien ist sehr eng. Die meisten Eltern kommen zu jedem Spiel ihrer Zöglinge nach Berlin. Wir laden die Eltern gerne zu uns ein und tauschen uns regelmäßig aus. Gemeinsam mit unserem Pädagogen führen wir zweimal im Jahr  Einzelgespräche mit den Eltern und den Spielern durch.

Herthafreundin: Wer darf im Internat wohnen und wer entscheidet darüber?
Ramin: Entscheidendes Kriterium ist die sportliche Perspektive eines Spielers. Darüber entscheiden der Leiter der Jugend- und Amateurabteilung Frank Vogel zusammen mit dem Trainerstab. Die Jungs, die bei uns wohnen, kommen alle von außerhalb Berlins. Allerdings haben wir auch einige Randberliner bei uns, für die der Anfahrtsweg zu den einzelnen Trainingseinheiten zu lang wäre. Diese Spieler bleiben dann meistens nur unter der Woche bei uns und sind an den Wochenenden zu Hause. Sobald die Spieler in den Männerbereich kommen, verlassen sie in der Regel unser Internat.

Herthafreundin: Aus welchen Mitteln wird das Internat finanziert?
Ramin: Hertha BSC kommt komplett für die Kosten des Internats auf.

Herthafreundin: Welche bekannten Spieler haben schon bei Ihnen gewohnt.
Ramin:  Da gibt es eine ganze Menge. Jüngstes Beispiel ist Patrick Ebert, der zweieinhalb Jahre bei uns war. Andere sind Sead Salihovic (2 Jahre), Alexander Ludwig (1 Jahr), Robert Müller und Amadeus Wallschläger (jeweils 5 Jahre) und Oliver Hampel (4 Jahre).

Herthafreundin: Vielen Dank und weiterhin viel Spaß und Erfolg bei Ihrer Arbeit!  

Aus dem März 2008: Bundesliga-Spielplan

Aus dem Februar 2008: Scouting

Aus dem Januar 2008: Best-Of

Aus dem Dezember: Spielberichtsbögen

Aus dem November: WM-Bewerbung

Aus dem Oktober: kicker-Noten

Aus dem September: Greenkeeper Alan Cairncross

Aus dem August: Fußballschuhe mit Hendrik Herzog

Aus dem Juli: Fußballtechnik mit Sascha Adler

Aus dem Juni: Trainingsmethoden mit Sven Kretschmer

Aus dem Mai: Wie "ticken" Schiedsrichter mit Kevin Langner

Aus dem April: Fußball-Kommandos mit Kevin Stuhr Ellegaard

Aus dem März: Falko Götz erklärt seine Spielsysteme

Aus dem Februar: "Tiere" im Fußball