Fußballersprache
In dieser Rubrik beleuchten wir jeden Monat bestimmte Begriffe aus der Welt des Fußballs. Ob das der Libero, die Blutgrätsche oder der Stollenschuh ist - wir wissen, was es bedeutet. Im Januar wollen wir euch die interessanteste Geschichte aus dem Jahr 2007 präsentieren - die Aufgaben eines "Greenkeeper".
Herthas Greenkeeper Alan Cairncross
Ohne Alan Cairncross könnten unsere Jungs ihre Arbeit auf dem grünen Rasen nicht so gut leisten. Alan ist Greenkeeper im Berliner Olympiastadion. Unsere Redakteurinnen Manja und Magdalena haben sich mit dem Schotten unterhalten, um mehr über seine Arbeit und den „heiligen Rasen“ zu erfahren!
Herthafreundin: Alan, wie lange bist du schon Greenkeeper im Olympiastadion?
Alan Cairncross: (antwortet mit einem schönen Englischen Akzent) Ich bin jetzt seit circa neun Jahren hier als Greenkeeper für den Rasen im Olympiastadion zuständig.
Herthafreundin: Von wem hast du die Aufgaben eines Greenkeepers gelernt?
Alan: Alles was ich weiß, verdanke ich den britischen Greenkeepern, die haben jahrelang das britische Militärgelände, auf welchem heute Hertha BSC trainiert, gepflegt und in Schuss gehalten – sozusagen „learning by doing“. Wir Briten sind ja bekannt für unseren grünen Daumen, wenn es um das Thema Rasen geht.
Herthafreundin: Was genau sind deine Aufgaben?
Alan: Mein Team und ich sind für die Pflege der Spiel- und Trainingsplätze im und um das Olympiastadion zuständig. Dabei ist es am wichtigsten, dass alle Plätze in guter Kondition sind und bleiben. Das heißt, wir mähen nicht nur den Rasen, sondern müssen auch Krankheiten früh erkennen, damit diese nicht durch Maschinen oder die Spieler auf andere Pfätze getragen werden, und gegebenenfalls behandeln. Die Trainingsplätze haben genau die gleiche Qualität wie der Platz im Olympiastadion, auf dem alle wichtigen Spiele stattfinden. Wir sind auch diejenigen, die für die Linien und Markierungen auf den Plätzen zuständig sind.
Herthafreundin: Wie groß ist dein Team?
Alan: Momentan sind wir sieben Leute, die für das Olympiastadion, für den Schenckendorffplatz und für das Amateurstadion zuständig sind.
Herthafreundin: Wie sieht ein normaler Tag bei dir aus?
Alan: Meine Arbeit beginnt um 7.00 Uhr. Als erstes gehe ich über jeden Platz und schaue, ob irgendwelche Krankheiten oder Schäden durch Spiele oder sonstige Einflüsse entstanden sind. Dabei kommt es auch oft vor, dass sich Wildschweine oder Füchse auf unsere Plätze verirrt haben, die wirklich großen Schaden anrichten können. Ich verschaffe mir also einen Überblick und kann dann meine Leute entsprechend einteilen. Nach Hause geht es, wenn alle Arbeit getan ist. Das ist so meistens gegen 16.30 Uhr.
Herthafreundin: Wann habt ihr besonders viel zu tun?
Alan: Durch die regelmäßigen Trainingseinheiten der Mannschaft von Hertha BSC gibt es eigentlich jeden Tag viel zu tun, da die Plätze nach jedem Gebrauch kontrolliert und behandelt werden. Besonders viel wird es, wenn die Heimspiele von Hertha BSC anstehen. Donnerstags und freitags vor einem Heimspiel bin ich dann die ganze Zeit im Olympiastadion.
Herthafreundin: Was ist das schwierigste an deiner Arbeit?
Alan: Das schwierigste ist, dass wir uns immer nach dem Wetter und der Natur richten müssen. Es spielt eine große Rolle, ob es viel regnet oder sehr trocken ist. Daher müssen wir uns komplett danach richten und teilweise sehr spontan reagieren und unsere Pläne umschmeißen.
Herthafreundin: Was macht dir am meisten Spaß?
Alan: Das schönste ist es, wenn vor einem Heimspiel der letzte Strich mit der Kreide gezogen wurde, ich vom Platz gehe und mich dann umdrehe und den ordentlichen, gut gepflegten Rasen sehe. Das ist dann mein kleines Meisterwerk!
Herthafreundin: Hast du viel persönlichen Kontakt mit den Sportlern?
Alan: Ich rede mit dem Trainer Lucien Favre fast jeden Tag. Er sagt mir, ob alles in Ordnung war oder ob es irgendwo noch Verbesserungen oder Änderungen geben soll. Auch die Spieler können mir jederzeit mitteilen, wenn etwas mit dem Platz nicht stimmt.
Herthafreundin: Worin unterscheidet sich eigentlich der Fußballrasen vom normalen Rasen im Garten?
Alan: Der Fußballrasen ist viel weicher und ebener als der Rasen im Garten. Das verhindert, dass die Spieler sich beim Hinfallen verletzen, und sorgt auch dafür, dass der Ball reibungslos über das Spielfeld gleitet: selbst ein zwei Zentimeter hohes „Hügelchen“ im Rasen könnte einen Pass komplett in die andere Richtung abfälschen. Außerdem ist der Fußballrasen viel robuster und pflegeleichter. Eine goldene Regel ist allerdings, dass der Rasen immer kurz gehalten werden muss und nie über drei bis fünf Zentimeter hinauswachsen darf, sonst könnten sich die Grashalme legen. Und er wird auch anders und intensiver gepflegt, also regelmäßig gesandet, vertikutiert und belüftet.
Herthafreundin: Gibt es eine bestimmte Regel, nach der sich das schöne Muster im Rasen richtet?
Alan: Eine direkte Regel gibt es nicht. Wichtig ist nur, dass das Muster optisch nicht von Nachteil für die Spieler, das Publikum oder für das Fernsehen ist. Ich kann selber bestimmen, welches Muster ich in den Rasen mähe und habe auch immer ein paar gute und neue Ideen im Kopf. Schließlich soll es ja nicht langweilig werden. Allerdings darf ich keine Kreise mähen! Das irritiert offenbar die Spieler und die Schiedsrichter. Die Linien helfen auch den Schiedsrichtern bei Abseits-Entscheidungen.
Herthafreundin: Eine letzte Frage haben wir noch an dich – Welcher Moment in deiner Karriere ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Alan: Das ist ganz klar die WM 2006. Ich war Head-Greenkeeper für das Berliner Olympiastadion. Alles hat super geklappt und wir hatten nicht ein Problem mit unserem Rasen. Besonders stolz hat mich natürlich gemacht, dass das Finale auf „meinem Rasen“ ausgetragen wurde.
Herthafreundin: Vielen Dank für das aufschlussreiche und wirklich sehr nette Gespräch!
Alan: Sehr gern geschehen!
Alan und sein Team: Matthias, Ceven, Alan, Münmün (hinten), Sevki und Andrew (vorne)
Aus dem Dezember: Spielberichtsbögen
Aus dem November: WM-Bewerbung
Aus dem September: Greenkeeper Alan Cairncross
Aus dem August: Fußballschuhe mit Hendrik Herzog
Aus dem Juli: Fußballtechnik mit Sascha Adler
Aus dem Juni: Trainingsmethoden mit Sven Kretschmer
Aus dem Mai: Wie "ticken" Schiedsrichter mit Kevin Langner
Aus dem April: Fußball-Kommandos mit Kevin Stuhr Ellegaard



