Fußballersprache
In dieser Rubrik beleuchten wir jeden Monat bestimmte Begriffe aus der Welt des Fußballs. Ob das der Libero, die Blutgrätsche oder der Stollenschuh ist - wir wissen, was es bedeutet. Im Oktober erklären wir euch, wie die kicker-Noten entstehen.
Wie erstellt der kicker Spielernoten?
Es ist Montag, ihr habt den "kicker" in der Hand und schaut, welche Noten Jaro Drobny und die anderen Herthaner vom Sportmagazin bekommen haben. "Mann, warum hat er nur ne Drei? Er hat doch gar keine Fehler gemacht", sind eure Gedanken? Herthafreundin erklärt euch, wie die Beurteilungen des kicker zu stande kommen. Herthafreundin Lena Lange traf Sebastian Karkos, einen Redakteur des kicker, um sich zu informieren.
Herthafreundin Lena Lange im Gespräch mit kicker-Redakteur Sebastian Karkos
"Alle Spieler schauen auf die Noten, auch wenn sie es leugnen. Besonders die erfahrenen Fußballer achten darauf", erklärt Sebastian Karkos, der seit 2001 beim kicker ist. In dieser Zeit ist das wöchentliche Noten geben Routine geworden. "Noten sind Spielerei. Trotzdem müssen sie mit Ernsthaftigkeit erstellt werden, aber man darf sie nicht überbewerten", gibt er zu. Erstellt werden sie von den beiden Redakteuren, die für das Magazin im Stadion sind. Beim kicker gibt es für jeden Verein einen Experten. Der besucht, zusammen mit einem weiteren Mitarbeiter, alle Heimspiele. Sie schreiben dann den Bericht, sammeln nach Schlusspfiff Stimmen und erstellten die Noten für alle Akteure der Partie. "Jeder Spieler hat auf seiner Position bestimmte Aufgaben. Von einem Stürmer erwartet man, dass er Tore schießt, von einem Abwehrspieler, dass er die Zweikämpfe gewinnt und so weiter. Füllt er die an seine Position gestellten Aufgaben gut aus, bekommt er eine gute Note", sagt Karkos. Entscheidend sind die Eindrücke, die die beiden während der Partie von den einzelnen Spielern bekommen.
Sonderfall: Sonntagsspiel
Einige Mitarbeiter erstellen sich auch eine Positiv-Negativ-Tabelle für jeden Spieler. Dann erhält der Fußballer für jede gute Aktion ein Plus und für jede misslungene ein Minus. Aus dem Verhältnis erstellt er schließlich die Note. Bei einem Samstag-Spiel spricht sich der Redakteur sonntags mit dem Experten des auswärtsspielenden Vereins ab, damit die Noten möglichst objektiv sind. Bis um 10.30 Uhr stehen sie fest und werden ins System eingegeben. "Bei einem Sonntagsspiel ist das viel stressiger. Mit dem Schlusspfiff müssen die Noten fertig sein, weil das Magazin am Sonntagabend gleich in den Druck geht", so Karkos.
Aber Karkos erstellt nicht nur Noten von Spielern. Der kicker bewertet auch die Leistung des Schiedsrichters ("Schiedsrichternote") und die Partie selbst ("Spielnote"). Außerdem kürt der Redakteur immer einen "Spieler des Spiels". Bei Herthas Heimspiel gegen Wolfsburg hat Pal Dardai diesen Titel erhalten, obwohl er nur mit einer Drei bewertet wurde. "Auf beiden Seiten war für mich kein Spieler besser als eine Drei", urteilt der kicker-Redakteur. In diesem Bereich befinden sich die meisten kicker-Noten. Eine Eins gibt es nur ganz selten: "Dazu muss ein Spieler wirklich perfekt gespielt haben. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Stürmer drei Tore schießt."
Generell gilt:
1. Ein Spieler wird nur bewertet, wenn es mindestens 30 Minuten gespielt hat oder trotz seiner späten Einwechslung das Spiel entscheidend beeinflusst hat
2. Der Torwart wird gesondert betrachtet. Gibt es in einem Spiel nichts zu halten, weil die Defensive gut arbeitet, erhält er eine Drei
3. Es gibt nur Noten von 1-6, nicht wie in Italien oder Spanien (dort werden Noten von 1-10 verteilt)
4. Für unsportliches Verhalten wie Tätlichkeiten oder Schwalben erhält der Spieler schon mal eine Sechs
Diese Regel ist seit dieser Saison neu und sorgt für viele Diskussionen. Nicht nur die Leserschaft ist geteilter Meinung über diese Neuerung, sondern auch die Redakteure: "Diese Regel wird auch unter uns Mitarbeitern kontrovers diskutiert." Aber nicht nur auf Grund dieser Neuerung werden die Noten oft diskutiert. Seit es das kicker-Managerspiel gibt, stehen die Noten besonders im Fokus der Leser, weil sich die Punkte, die ein Teilnehmer des Managerspiels erhält, an den kicker-Noten seiner Spieler richten.
Noten, Noten, Noten:
Übrigens: Nicht nur das Sportmagazin "kicker" erstellt Spielernoten. Auch die BZ, die Welt am Sonntag und die Sport Bild bewerten die Fußballer Wochenende für Wochenende. Die Sport Bild hat zusätzliche Kriterien zur Beurteilung. Spielerstatistiken werden miteinbezogen sowie die Noten, die der Spieler vom Kicker und von der Welt am Sonntag erhalten hat. Daraus errechnet die Sport Bild ihre Note aus.
Aus dem September: Greenkeeper Alan Cairncross
Aus dem August: Fußballschuhe mit Hendrik Herzog
Aus dem Juli: Fußballtechnik mit Sascha Adler
Aus dem Juni: Trainingsmethoden mit Sven Kretschmer
Aus dem Mai: Wie "ticken" Schiedsrichter mit Kevin Langner
Aus dem April: Fußball-Kommandos mit Kevin Stuhr Ellegaard


