Fußballersprache
In dieser Rubrik beleuchten wir jeden Monat bestimme Begriffe aus der Welt des Fußballs. Ob das der Libero, die Blutgrätsche oder die Bananenflanke ist, wir wissen, was es bedeutet.
Fußballtechnik mit Hertha-Talent Sascha Adler

- Sascha Adler mit herthafreundin.de-Redakteurin Franziska
Genauso wie die Taktik die Kondition und der Siegeswille ist auch die Fußballtechnik ein sehr wichtiger Faktor, um gut und vor allem erfolgreich Fußball zu spielen. In dieser Woche möchte das Team von herthafreundin.de etwas mehr über die Fußballtechnik erfahren, und traf sich zum Interview mit dem Nachwuchsspieler Sascha Adler.
Technik ist entscheidend
Einen Fußballspieler, der im Umgang mit dem Ball eine besondere Fähigkeit erworben hat, nennt man auch guten „Fußball-Techniker“. Die Technik ist in vielen Bereichen des Fußballspielens entscheidend, z.B. bei der Ballannahme, beim Passspiel, beim Kopfball oder beim Freistoß. Gerade in der Jugend ist es wichtig an seiner Fußballtechnik zu arbeiten und die Grundlagen zu beherrschen, da sich die Versäumnisse später schwer oder meist gar nicht mehr aufholen lassen. Deshalb wird in die Jugendarbeit bei mittlerweile allen Bundesligavereinen viel investiert, um junge Spieler zu brillanten Fußballspielern und natürlich Fußballtechnikern auszubilden.
Um die Grundlagen und wichtigsten Begriffe der Fußballtechnik den Lesern näher zu bringen, wollte sich Redakteurin Franziska Hilfe holen. Sascha Adler ist im Internat von HERTHA BSC untergebracht und spielt erfolgreich mittlerweile in der A-Jugend und auch in der U 19-Nationalmannschaft. Zum Thema Fußballtechnik hat er Einiges zu sagen. Ein aufgeregter Sascha wartete schon mit Fußballschuhen und Ball auf uns im Internat, als wir zum Interview eintrafen.Aber bevor er uns die Grundlagen und Tricks auf dem Rasen zeigte, sollte er uns vorab ein paar Fragen beantworten. Das Interview übernahm Herthafreundin Franziska.
Franziska: Hallo Sascha, seit wann spielst du eigentlich in einer Mannschaft Fußball?

- Fachgespräch mit Ball
Sascha: Ich habe früh angefangen, schon mit 6 Jahren habe ich in der F-Jugend beim Halleschen FC aktiv Fußball gespielt.
Franziska: Da habt ihr sicherlich schon früh angefangen mit dem Techniktraining!
Sascha: (überlegt) Na ja, eigentlich haben wir nur „gespielt“. Bewusstes Techniktraining gab es zu dieser Zeit eigentlich nicht. Wichtig war der sichere Umgang mit dem Ball und Spaß am Fußball spielen.
2004 nahm Sascha an einem DFB Lehrgang teil und wurde von unserem jetzigen Jugendkoordinator Frank Vogel angesprochen. Ein Telefonat später zog Sascha ohne Probetraining direkt in das Internat von HERTHA BSC ein.
Franziska: Und wie sieht es jetzt aus? Macht ihr auch manchmal reines Techniktraining oder wird das individuell mit einzelnen Spielern trainiert?
Sascha: Eher selten, nach der Erwärmung für das Ballgefühl spielen wir oder üben Kombinationen oder taktische Dinge.
Franziska: Und bei so einem DFB Lehrgang, gibt es da Techniktraining?
Sascha: Nein, eigentlich nicht. Klar gibt es ein paar Aufwärmübungen, aber wir Spielen dann meist nur.
Spätestens jetzt sind wie ein bisschen enttäuscht. Wo wird denn dann die Technik trainiert und der Grundstein in der Jugend gelegt? Aber wir geben nicht auf und versuchen herauszufinden, ob er uns dann wenigstens ein paar Tipps geben kann und uns erklärt, wie man denn „richtig“ mit dem Ball umgeht.
Franziska: Gut, spätestens seit deinem Wechsel zu Hertha gab es dann doch „professionelles“ Training. Worauf haben deine Trainer immer besonderen Wert gelegt?
Sascha: Ballannahme und Passspiel war immer sehr wichtig das haben wir sehr viel geübt. Den Trainern war es auch wichtig, dass man den Ball sauber annehmen und mitnehmen kann und dann in der Lage ist, den richtigen Pass zu spielen.
Franziska: Dann erzähl uns doch mal etwas über die Ballannahme. Mit welcher Technik nimmt man den Ball am besten an?
Sascha: Meistens mit der Innenseite, da man da die größte Fläche hat. Je nach Härte des Passes muss die Innenseite des Fußes dem Ball entgegengeführt werden und dann weich zurückgenommen werden, damit man den Schwung des Balles abfangen kann. In der Halle stoppe ich den Ball aber auch gerne mal mit der Sohle.
Franziska: Und wenn der Ball mal steil von oben kommt?
Sascha: Dann natürlich mit dem Vollspann. Dann ist das Spielbein im Stand gebeugt und geht dem Ball entgegen und „nimmt ihn dann mit“! Oder man nimmt den Ball mit der Brust an.
Franziska: Übt ihr das im Training?
Sascha: Ja, es gibt Übungen im Kreis, wo man immer Annehmen muss und zu einem Mitspieler zurückspielt.

- So wird's gemacht!
Hört sich leichter an als gedacht, aber immerhin muss er diese Techniken ja doch irgendwann mal gelernt haben. Und auf dem Platz hat er uns nach dem Interview bewiesen, dass er das erzählte auch umsetzen kann.
Franziska: Lass uns doch mal über die verschiedenen Schusstechniken im Fußball sprechen! Kannst du uns erläutern, in welcher Situation man welchen Schuss einsetzt?
Sascha: Den meisten Druck hat man natürlich mit dem Spann (Vollspannstoß). Deswegen wird diese Schusstechnik meistens für den Torschuss oder weite Abschläge benutzt. Mit dem Innenrist (auch Innenspann genannt) spiele ich meistens am genauesten und kann die Pässe „mit Auge“ spielen. Dabei ist es besonders wichtig, dass die Fußspitze des Standbeins immer dahin zeigt, wo ich hinpassen will.
Dabei steht er auf und zeigt uns gleich, wie es funktioniert. Wir probieren schon auf dem Flur einige Pässe. Klappt super! Deswegen werde ich mir das mit Sicherheit merken. Wegen der genauen Dosierung und der Effetwirkung, die erzeugt werden kann, wird der Innenspannstoß auch bei Freistößen, Ecken und bei Flanken vor das gegnerische Tor bevorzugt.
Franziska: Spielst du gerne Flanken? Und kannst du uns sagen, worauf man achten muss, wenn man diese üben will?
Sascha: Als rechter Verteidiger muss ich natürlich viele Flanken schlagen und mache das auch sehr gerne. Meistens spiele ich dann von der rechten Seite mit dem rechten Fuß die Bälle. Wichtig ist, den Ball etwas weiter vorne zu treffen um so den Fuß unter den Ball zu bringen. Aber man kann auch weite lange Flanken mit dem Spann schlagen. „Englische Bälle“ werden die auch genannt.
Franziska: Okay gut, dann gibt es aber noch den Außenrist.
Sascha: Ich laufe schräg zum Ball an, drehe meinen Fuß nach innen ein und treffe den Ball mit dem Außenspann. Wenn man den benutzt, hat der Mitspieler es aber schwieriger bei Pässen den Ball anzunehmen, da der Ball dann so einen Drall hat. Aber es ist natürlich ein gutes Mittel, um den Ball mal versteckt zu passen oder einen Trick zu machen. Marko Pantelic schießt ja so auch meistens aufs Tor (grinst).
Der Außenspannstoß findet in zahlreichen Spielsituationen Anwendung. Mit dem Außenspann können ruhende, anrollende, aufspringende und anfliegende Bälle zugepasst oder auf das gegnerische Tor geschossen werden. Typisch dabei ist, dass der Außenspannstoß in vollem Lauf überraschend für den Gegner gespielt werden kann oder genauso unerwartet für den Gegner als „verdecktes“ Zuspiel erfolgt.

- Ball-Annahme per Brust
Franziska: Was ist mit Kopfbällen? Übt ihr das im Training?
Sascha: Ja man kann alleine an das Kopfballpendel gehen. Aber wir machen auch Übungen, bei denen wir in einem Quadrat von 20x10m stehen und uns die Bälle zuköpfen. Dabei lernt man ganz gut, den Ball in die gewünschte Richtung zu lenken.
Franziska: Hast du schon mal ein Kopfballtor erzielt?
Sascha: Ja, bei meinem allerersten Großfeldspiel damals noch beim Halleschen FC, bei Hertha leider noch nicht!
Franziska: Worauf sollte man beim Kopfballspiel achten?
Sascha: Du solltest den Ball schon mit der Stirn treffen, es kann ziemlich unangenehm sein, wenn du ihn oben am Kopf erwischst! Ich mache das öfter (lacht). Wenn du eine Bogenspannung im Körper aufbaust und aktiv zum Ball gehst, bekommst du auch den nötigen Druck hinter den Ball, um auch mal ein Tor zu machen. Aber da bin ich wirklich nicht so der Spezialist für!
Franziska: Okay, dann lass uns kurz das Thema Tackling ansprechen. Du als Abwehrspieler musst das doch häufig anwenden, um den Gegner vom Ball zu trennen! Tackling heißt ja eigentlich nichts anderes, als den Gegner robust aber fair vom Ball zu trennen.
Sascha: Ja, das stimmt. Wenn man sieht, dass der Gegner sich den Ball zu weit vorlegt, kann man Grätschen und in den Ball reinrutschen und so den Gegner sauber vom Ball trennen. Da ist das Timing aber sehr wichtig!
Franziska: Toll! Und was machst du, wenn der Spieler mit dem Ball direkt auf dich zukommt?
Sascha: Na wenn du weißt, dass es z.B. ein Rechtsfuß ist, kannst du ihm seine starke Seite schon mal versperren, indem du ihm die Rechte Seite zumachst und den Fuß vorhältst. Wenn er schon zum Schuss kommt, dann wenigstens mit seinem schwachen Fuß und der Torwart hat es dann nicht so schwer!
Gut, da haben wir wieder was dazugelernt. Jetzt lassen wir uns noch ein paar Tricks erklären und dann wollen wir auch raus, denn natürlich sind wir gespannt, ob er es auch so gut vormachen kann, wie er es bisher hier erklärt hat.
Franziska: Tricks sind gerade bei jungen Spielern sehr beliebt! Kannst du uns erklären, was eine Finte ist?
Sasche: Na klar! Die setzt man an, um einen Gegenspieler aussteigen zu lassen und an ihm vorbeizukommen (Sascha zeigt uns einen Übersteiger). Oder man spielt den Ball so durch die Beine. Oder kennt ihr den Zidane-Trick? Oder den Okocha-Trick?
Natürlich kennen wir die, aber kurz zur Erklärung: Beim Okocha (benannt nach dem Ex-Frankfurter „Jay-Jay“ Okocha) wird aus dem Dribbling heraus der Ball hinter dir eingeklemmt und über den Gegner geschleudert. Anschließend sprintet man um den Gegner und nimmt den Ball wieder kurz an! Beim Zidane-Trick (benannt nach Welt- und Europameister Zinedine Zidane), auch Dreh-Trick genannt, wird aus dem Dribbling eine Drehung auf dem Ball vollführt und man dreht sich und den Ball am Gegner vorbei! Aber Sascha weiß auch: Was nützt es, wenn man die tollsten Tricks kann und super jongliert, wenn man es dann im Spiel nicht anwendet! Wir merken schon, dass er voll in seinem Element ist und man sieht, dass ihm Fußball wirklich eine Menge Spaß macht.
Franziska: Was ist dein Lieblingstrick um den Gegner zu täuschen?
Sascha: Eigentlich der Übersteiger, einfach oder doppelt. Den wende ich auch im Spiel an!
Spätestens jetzt hält uns aber nichts mehr drin und wir gehen zum Platz. Ich bin erstaunt, dass ich mit einem 18 Jährigen so präzise über Fußballtechnik sprechen kann und er mit so viel Begeisterung darüber erzählt. Man merkt, dass er uns alles genau erklären will und zeigen möchte. Das ist natürlich ansteckend und nach ein paar Kopfbällen zeigt er uns noch die vorher erwähnten Tricks auf dem Platz. Die erste Flanke landet genau auf meinem Fuß (So kann man ja leicht Tore machen, denke ich. Ohne Gegenspieler jedenfalls…), und nachdem er mich dann mit Übersteiger, doppeltem Übersteiger und Zidane-Trick locker ausgespielt hat, zeigt er uns noch die verschiedenen Schusstechniken und natürlich ein paar Jonglierkunststücke.
Wir bedanken und verabschieden uns von Sascha, der jetzt eine Woche Urlaub hat, bevor die Vorbereitungen schon wieder losgehen. Wir haben an diesem Nachmittag viel Spaß gehabt und eine Menge dazugelernt!
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