Frauen bei Hertha
Arbeiten eigentlich auch Frauen bei Hertha BSC? Ja klar!!! Und zwar eine ganze Menge. Hier wollen wir euch zeigen, welche Frauen bei Hertha BSC arbeiten und was sie machen. Dieses Mal wollen wir euch Anke Gernetzky (Sekretariat Management) vorstellen.
Anke Gernetzky - ein Hertha-Urgestein
Anke Gernetzky ist ein Urgestein, auch wenn diese Bezeichnung der jung gebliebenen 43-Jährigen eigentlich nicht gerecht wird. Zwar arbeitet sie schon seit 1999 bei Hertha BSC, doch um ein Urgestein zu sein, reicht das eigentlich nicht aus. Warum Anke Gernetzky trotzdem eins ist, zeigt ihre Geschichte.
Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin
Ihre Jugendzeit ist schnell abgehandelt. 1963 in Berlin geboren, in Spandau zur Schule gegangen und aufgewachsen. Der Berufswunsch "Stewardess" verschwand schnell wieder in der Schublade, als sie erfuhr, dass dafür ein Umzug nach Frankfurt vonnöten sei: "Ich wollte nicht weg von meinen Eltern", erzählt sie mit einem Schmunzeln, das zeigt, dass es ihr eigener Wille war, der sie in der heutigen Hauptstadt hielt. Berlin also, wo sie mit zarten 17 Jahren eine Ausbildung zur Fremdsprachensekretärin beginnt, ist und bleibt ihr zu Hause. Das war 1980.
Im gleichen Jahr kommt "Änki", wie sie von den Herthafreundinnen genannt wird, zum ersten Mal mit Hertha BSC in Berührung. Weil ihre Ausbildung nämlich rein schulisch und damit finanziell nicht gerade lukrativ ist ("Ich hatte nur 40 DM Taschengeld im Monat"), sucht sie sich einen Nebenverdienst. "Ich habe dann begonnen am Wochenende bei Hertha Karten zu verkaufen. Das war aber nur einer von drei Nebenjobs", entschuldigt sie sich fast ein wenig dafür, dass die Identifikation mit dem Fußball-Verein damals noch nicht sehr ausgeprägt ist. Als Kassiererin bekommt sie von dem, was im Stadion passiert, aber ohnehin nicht allzu viel mit. Also freundet sie sich mit ihren Kollegen an und schließt zum Teil auch Bünde fürs Leben. So lernt sie unter anderem Renate Kressin kennen, die heute bei Hertha für das Ticketing arbeitet.
Köpke wollte mit ihr tanzen
Nach ihrer Ausbildung nimmt Anke einen Job bei einer Maschinenbaufirma an und trifft dort auf Manuela Polte, heute Ankes beste Freundin und ebenfalls Hertha-Mitarbeiterin. Vier Jahre lang arbeitet sie dort, bevor sie in ein Computerunternehmen wechselt. Den Kassiererjob bei Hertha gibt sie aber trotzdem nicht auf: "Ich habe nebenbei immer weiter da gearbeitet", sagt sie stolz und ergänzt: "Auch Ela habe ich dahin geholt." Klar, dass man in so einer langen Zeit einige Dinge erlebt haben muss: "Meinen ersten richtigen Kontakt mit einem Hertha-Spieler werde ich nie vergessen. Damals wurden die Kassierer gefragt, ob sie Lust hätten, bei einem Hertha-Ball im Palais am Funkturm Lose zu verkaufen." Klar hatte sie und "plötzlich stand Andy Köpke vor mir." Der heutige Bundestorwarttrainer ist damals verletzt und trägt einen Gips am Bein. Als er Anke erblickt, spricht er sie an: " Wenn ich keinen Gipsfuß hätte, würde ich mit dir tanzen." So etwas vergisst man natürlich nicht. Damals ist sie gerade Anfang 20.
Ein paar Jahre später, genauer viele Jahre später, nämlich 1999 - ja, sie kassiert immer noch nebenbei - wird Anke von der mittlerweile fest angestellten Renate Kressin gefragt, ob sie nicht "vorübergehend" als Aushilfssekretärin für Hertha-Manager Dieter Hoeneß arbeiten wolle. Für die mittlerweile routinierte Sekretärin ein Glücksfall, denn erst kurz zuvor war ihre Stelle im Computerunternehmen "dem Hammer zum Opfer gefallen", wie sie selber sagt. "Zunächst konnte ich mir nicht vorstellen, längerfristig bei Hertha zu arbeiten. Das war für mich vorher nie ein Thema." Doch als der Hertha-Manager immer öfter nachfragt, ob sie nicht bleiben wolle, ändert sie ihre Meinung: "Ich habe zwar einige Zeit überlegt, aber eigentlich war es keine Frage. Ich kannte die Spieler, das Umfeld und auch das Arbeitsklima war super."
"Paule" Beinlich ruft regelmäßig an
Es ist Herthas erfolgreichstes Jahr nach dem Wiederaufstieg. Hertha hat die Chance, sich für die Champions League zu qualifizieren und mittendrin Anke Gernetzky, die schon zu Ober- und Regionalligazeiten bei Hertha kassiert hatte. Das tut sie übrigens trotz ihres neuen Jobs als Chefsekretärin des Managers zunächst auch weiterhin: "Ich habe trotzdem mit Renate die Abrechnung gemacht." Irgendwann wird die Neugierde auf das was im Stadion passiert allerdings zu groß und die Zusammenfassung abends vor dem Fernseher zu wenig. An das erste Spiel kann sie sich dennoch nicht mehr erinnern. Ein anderes ist ihr dafür aber umso mehr in Erinnerung geblieben. Das Rückspiel der Champions League Qualifikation in Famagusta 1999: "Das war fantastisch. Die ganze Geschäftsstelle durfte mit - es war ja eines der wichtigsten Spiele für Hertha damals - und die Stimmung war trotzdem gelöst und voller Vorfreude. Wir saßen mit einigen Spielern zusammen am Strand und Brian Roy hat uns einen Cocktail spendiert."
Das Ergebnis ist bekannt, Hertha holt ein torloses Unentschieden und zieht durch den 2:0-Erfolg aus dem Hinspiel in die Gruppenphase der Champions League ein. Brian Roy erzielt kein Tor, kommt nicht mal zum Einsatz. Aber einer von "Änkis" Lieblingsspielern kommt ohnehin erst ein Jahr später nach Berlin: "Paule Beinlich war unheimlich nett und ruft noch heute an um zu fragen, wie es uns geht." Private Anrufe sind für die Hobby-Skifahrerin ansonsten allerdings eher selten und das obwohl den ganzen Tag das Telefon klingelt: "Ich spreche Termine ab, bearbeite die Post und nehme natürlich alle Anrufe entgegen. Ganz normale Sekretariatsarbeit", ergänzt sie, also wäre der Job bei Hertha einer wie im Schulbüro. Doch neben den teilweise etwas längeren Arbeitszeiten, ist da auch noch etwas anderes, um das sie viele Fans beneiden dürften. Denn natürlich ist die Zusammenarbeit mit dem Manager und auch mit Michael Preetz und Jochen Sauer sehr eng. Ob sie dadurch die neuesten Infos immer als Allererste bekommt? Die sympathische Blondine zieht verschmitzt die Augenbrauchen hoch und schmunzelt ihr Lieblingsschmunzeln, das etwas verschwörendes hat, aber immer warm und freundlich ist. Dann ergänzt sie: "Das kann schon mal passieren", und schmunzelt weiter.
Seit 25 Jahren bei Hertha
Die engste Beziehung bei Hertha hat sie aber natürlich nicht zu ihren Vorgesetzten, sondern zu einer anderen Mitarbeiterin. Manuela Polte, wie schon erwähnt Ankes beste Freundin, ist ihr zu Hertha gefolgt. Wer schon mal ein Hertha-Ticket im Fanshop in der Geschäftsstelle gekauft hat, hat es zu 90% von ihr. "Ich habe sie später, als ich bei Hertha war, nachgeholt", erzählt sie nicht ohne Stolz. "Wir ziehen uns immer gegenseitig mit." Mittlerweile wohnen beide sogar im selben Ort.
Alle drei, Renate Kressin, Manuela Polte und Anke Gernetzky sind eine Bereicherung für Hertha BSC. Zwei von ihnen saßen schon vor mehr als 25 Jahren für Hertha hinter dem Ticketschalter. Aber alle drei haben Hertha BSC auf ihre Weise geprägt. Anke Gernetzky ist allerdings die einzige, die immer irgendwie da war. Und deswegen ist die Bezeichnung Hertha-Urgestein auch mehr als gerechtfertigt.
Aus dem Juni: Renée Seckinger (Fanshop)
Aus dem Mai: Anouschka Bernhard (Kleinfeldkoordiantion)
Aus dem April: Magdalena Palewicz (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)




