Die Regel des Monats

In unserer Rubrik "Regel des Monats" versucht sich jede Woche eine prominente Frau daran, euch die kniffligsten Fußballregeln zu erklären. Egal ob Abseits, grobes Foulspiel oder indirekter Freistoß, was den Fußball angeht, wissen unsere Frauen Bescheid. Diesen Monat erklärt Anja Mittag vom 1. FFC Turbine Potsdam, was eine "Notbremse" ist.

Die Notbremse

Für Turbine Potsdam in Aktion: Anja Mittag

Neben dem Ziel, dem Gegner soviele Tore wie möglich - und mindestens immer eines mehr als man selbst kassiert – einzuschieben, geht es im Fußball auch darum, dieses Ziel unter Einhaltung der vorgeschriebenen Regeln zu erreichen. Verboten und hart bestraft wird demnach, neben vielen anderen Dingen, das Ausführen einer Notbremse. Hart bestraft bedeutet, dass mittlerweile nach einer Notbremse ein Platzverweis per roter Karte folgt. 

Was aber ist eine Notbremse?

Was genau aber gilt als Notbremse? Das Wort selbst ist ein umgangssprachlicher Begriff für ein Foulspiel der besonderen Art. Notbremse bedeutet das regelwidrige Verhindern einer klaren Torchance durch ein absichtliches Foulspiel, unabhängig von der Härte des Fouls. Eine ganz wichtige Rolle spielt dabei die „klare Torchance“. Auch ein absichtliches Handspiel kann übrigens als Notbremse gelten. Liegt allerdings keine klare Torchance vor, zum Beispiel, weil sich der gegnerische Spieler nicht auf das Tor zu, sondern von ihm weg bewegt, gilt die Spielsituation nicht als Verhindern einer klaren Torchance, ein Foulspiel wird dann auch nicht als Notbremse geahndet. Klare Torchancen liegen naturgemäß vorrangig in der Nähe des oder direkt im gegnerischen Strafraum vor. In diesem Bereich des Spielfeldes kommen Notbremsen denn auch vor.

Auf Fingerspitzengefühl kommt es an

Ob eine klare Torchance vorlag, liegt im Ermessen des Schiedsrichters. Für den zählt bei seiner Entscheidung übrigens nicht nur allein die Frage, ob der foulende Spieler „letzter Mann“, also der der eigenen Torlinie nächste Spieler, war sondern zum Beispiel auch inwiefern sich der angreifende Spieler auf  direktem Weg zum Tor befand. Dies zeigt, dass es da schon mal zu Fingerspitzenentscheidungen der Schiris kommen kann.

Wann ist ein Foul eine Notbremse?

Wann entscheiden Schiris nun auf Notbremse? Zum Beispiel, wenn ein Spieler einen anderen wenige Meter vor dem Tor umstößt oder –schubst und ihm damit die in Aussicht stehende Möglichkeit eines Treffers verwehrt. Oder auch wenn ein Torhüter einen gegnerischen angreifenden Spieler vor seinem Kasten regelwidrig zu Fall bringt, zum Beispiel ohne Aussicht, den Ball überhaupt zu erreichen. Es wurden auch schon Spieler nach Laufduellen, bei denen ein Spieler zu Fall kam, aufgrund einer Notbremse vom Platz geschickt.

Das letzte Mittel

Wenn sie – oft im Eifer des Gefechts und sicher nicht absichtlich – angewandt wird, ist die Notbremse meist für den Verteidiger einer Mannschaft das letzte Mittel, einen allein (!) durchbrechenden gegnerischen Spieler vor oder innerhalb des Strafraumes aufzuhalten und damit einen sich anbahnenden Treffer zu verhindern. Nach einer Notbremse wird je nach dem Ort, an dem das Foulspiel stattfand, durch den Schiedsrichter auf direkten Freistoß (Foul fand außerhalb des Strafraums statt) oder auf Elfmeter (Foul fand im Strafraum statt) für die gefoulte Mannschaft entschieden.

Spektakuläre Notbremsen

Mit einem Platzverweis nach einer Notbremse und der damit verbundenen roten Karte wird die betroffene Mannschaft im weiteren Spielverlauf natürlich stark geschwächt. Werden Schüsselspieler des Feldes verwiesen, kann auch noch ein moralischer Knackpunkt für dessen Mannschaft dazu kommen. Sicher erinnert sich so mancher noch an die ein oder andere spektakuläre Notbremse, wie die von Jens Lehmann im Champions-League-Finale im Mai 2006 zwischen seinem Club Arsenal London und dem FC Barcelona, oder vor wenigen Wochen durch Werder Bremens Torhüter Tim Wiese im Champions-League-Halbfinale gegen Espanyol Barcelona. Blicke ich auf die vergangenen Jahre bei meinem Verein, Turbine Potsdam, zurück, kann ich mich allerdings nur an sehr wenige Spielszenen in Zusammenhang mit einer von uns begangenen Notbremse erinnern. Das letzte Mal Rot gesehen für solch ein Foulspiel hat eine unserer Defensivspielerinnen bereits vor etlichen Jahren, 2004 war das, im Spiel gegen den VfL Wolfsburg.

Im Eifer des Gefechts... 

Üblicherweise legt es kein Spieler der Welt darauf an, seine Mannschaft durch solches Vorgehen zu schwächen und vielleicht dabei den Gegenspieler noch zu verletzen. Insofern sind Notbremsen natürlich auch nicht gutzuheißen, jedoch kommen sie im Eifer des Gefechts manchmal eben vor. Mittlerweile hart mit Rot geahndet sind gerade die Abwehrspieler sich über die Konsequenzen einer Notbremse jedoch bewusst und daher auch darauf bedacht, entsprechende Spielsituationen möglichst auf einem anderen Weg zu lösen. Als Stürmerin hingegen ist es mir schon öfter passiert, dass sich meine Gegenspielerinnen nicht anders zu helfen wussten, als die Angriffssituation regelwidrig zu beenden. Die Kunst für die Schiedsrichter liegt dann eben darin, zum Einen sowohl die klare Torchance als auch das regelwidrige Foul zu erkennen.

Maße im Fußball von Anastasia (Mai)

Gelbe und Rote Karte von Ruth Moschner (April)

Passives Abseits von Barbara Schöneberger (März)

Abseits von Vera Int-Veen (Februar)