Fußballersprache
In dieser Rubrik beleuchten wir jeden Monat bestimme Begriffe aus der Welt des Fußballs. Ob das der Libero, die Blutgrätsche oder die Bananenflanke ist, wir wissen, was es bedeutet.
Wie tickt ein Schiedsrichter?

- Schiedsrichter-Obmann Kevin Langner
Man muss sich das so vorstellen: Ein beliebiger Schulhof in Berlin, die Pause ist in vollem Gange und die Kinder, meistens Jungs - aber auch ein paar Mädchen sind dabei - spielen Fußball. Im Gewusel ist es nicht so schnell ersichtlich, doch eines dieser Kinder kommt nie an den Ball und ist doch integriertes Mitglied der Gemeinschaft. Die Blicke dieses Jungen folgen dem Ball ununterbrochen. Plötzlich geht eines der Kinder aufgrund eines Fouls zu boden und genauso schnell wird aus dem passiven Jungen plötzlich eine aktive Person.
"Ich war schon als Kind vom Beruf des Schiedsrichters fasziniert", erzählt Kevin Langner, heute Schiedsrichter Obmann von Hertha BSC, einige Jahre später Lena und Anja von herthafreundin.de. Die drei haben sich getroffen, um sich ein bisschen über das Schiedsrichterwesen zu unterhalten und etwas über die Sprache der Schiedsrichter zu erfahren.
Lena: "Sag mal Kevin, wie kommt man dazu Schiedsrichter zu werden?"
Kevin: "Wie gesagt, ich fand es schon früher immer toll, auf dem Schulhof als Schiedsrichter aktiv zu sein. Außerdem kann ich mich als Schiedsrichter persönlich weiterentwickeln und lernen, Entscheidungen schnell und sicher zu verkaufen. Deshalb habe ich mich damals für den Anfängerlehrgang angemeldet."
Lena: "Wann war das?"
Kevin: "Ich bin seit Oktober 1997 Schiedsrichter."
Anja: "Also seit fast zehn Jahren. Hast du noch Chancen, in höheren Ligen zu pfeifen?"
Kevin: "Naja, ich bin jetzt 26 und leite Spiele der Verbandsliga in Berlin (fünfte Liga). Da ist es schon ein bisschen spät, um in die höchsten Ligen vorzustoßen. Die Oberliga (vierte Liga) ist aber noch drin."
Anja: "Mit 26 ist man schon zu alt?"
Kevin: "Ja, man muss schon mit Anfang 20 dort sein, wo ich jetzt bin und da konstante Leistungen bringen. Dann hat man Chancen höher zu kommen.
Lena: "Oder richtig abzustürzen. Robert Hoyzer kam ja nun ausgerechnet von Hertha. Warst du schonmal in einem Wettbüro?"
Kevin: "Nein, noch nie."
Anja: "Echt nicht?"
Kevin: "Nein, ich hatte auch noch nie das Bedürfnis dazu."
Lena: "Ok. Dann will ich von dir wissen, ob ihr so eine Art Geheimsprache habt unter euch Schiedsrichtern."
Kevin: "Geheimsprache würde ich das nicht nennen. Es gibt ein paar Zeichen, die sind aber nicht vorgegeben und von Schiedsrichterteam zu Schiedsrichterteam unterschiedlich. Zum Beispiel kann ein SR-Assistent mit dem Tippen auf die Brusttasche anzeigen, dass das Foul aus seiner Sicht gelbwürdig war. Oder er tippt auf die hintere Hosentasche...
Lena: "Dann geht's zum Duschen."
Kevin: "Ja genau. Ansonsten gibt es hier und da ein paar Zeichen zur Verständigung. Regeln gibt es da eigentlich keine."
Anja: "Eigentlich?"
Kevin: "Nagut, nehmen wir noch einmal den SR-Assistenten. Wenn er seine Fahne hebt, dann hebt er für die meisten Spielbeobachter einfach nur seine Fahne. Aber es gibt bei der Art des Fahnenhebens Unterschiede."
Lena: "Wo zum Beispiel?"
Kevin: "Wenn der Linienrichter Abseits anzeigt, dann hebt er die Fahne über seinen Kopf. Das heißt erst einmal nur "Abseits!". Danach, wenn der Schiedsrichter gepfiffen hat, kann der Assistent die Fahne entweder senkrecht nach oben heben, gerade lassen oder senken."
Anja: "Und das heißt?"
Kevin: "Senkrecht nach oben heißt, der Spieler der im Abseits stand, befand sich auf der anderen Seite des Feldes. Gerade lässt er die Fahne meist, wenn der Spieler mittig im Spielfeld abseits stand. Und nach unten senkt er sie, wenn der Spieler unmittelbar vor dem Assistenten abseits stand..."
Anja: "Da werde ich in Zukunft auf jeden Fall mal drauf achten. Bisher ist es mir noch nie aufgefallen. Gibt es noch mehr solcher Zeichen?"
Kevin: "Naja, was ein Assistent anzeigt, wenn es eine Einwechslung geben soll, muss ich euch ja nicht erzählen. Aber habt ihr schonmal einen Schiedsrichterassistenten gesehen, der die Fahne mit einer Hand über dem Kopf hält?"
Lena: "Also bei einer Einwechslung nimmt er beide Arme über den Kopf..."
Kevin: "Genau. Wenn er nur eine Hand dafür nimmt, will er dem Schiedsrichter etwas Ungewöhnliches anzeigen, dass man besprechen muss."
Lena: "Dafür gibt es ein Extra-Zeichen? Linienrichter müssen auch eine ganze Menge wissen..."
Kevin: "Jeder Assistent ist auch ein Schiedsrichter. In der Oberliga stehe ich zum Beispiel als Assistent auf dem Platz."
Lena: "Ok, nochmal ein anderes Thema. Jugendfußball. Hast du ja sicherlich auch mal gepfiffen..."
Kevin: "Ja, das kann mitunter ziemlich stressig sein."
Anja: "Weshalb?"
Kevin: "Weil neben dem eigentlichen Fußball oftmals die Emotionen der Eltern nicht unter Kontrolle sind."
Lena: "Das kann ich mir vorstellen. Es gibt aber auch oft kritische Szenen im Spiel. Wie stehst du denn eigentlich zum Videobeweis?"
Kevin: "Da bin ich ganz klar dagegen."
Anja: "Echt? Warum?"
Kevin: "Ich denke, der Fußball lebt von Emotionen. Und außerdem: Wenn du drei- viermal im Spiel unterbrichst, weil sich die Schiedsrichter eine Szene angucken müssen, dann geht doch der Spielfluss verloren."
Lena: "Na und? Dann kann ich wenigstens mal auf Toilette gehen (lacht)"
Anja: "Also wenn jede Mannschaft zweimal pro Spiel die Kamera zuhilfe nehmen dürfte, fänd ich das ok."
Kevin: "Wie du siehst, kann man zu diesem Thema verschiedener Meinung sein."
Anja: "Ok, Kevin letztes Thema. Wie sieht es denn mit Frauen bei den Schieris aus?"
Kevin: "Grundsätzlich würde ich sagen, dass Schiedsrichten schon eine Männerdomäne ist. Der Frauenanteil bei uns ist nicht besonders hoch. Aber zum Beispiel in der Frauen-Bundesliga pfeifen ausschließlich Frauen."
Lena: "Aber es gibt doch auch Schiedsrichterinnen bei den Männern oder?"
Kevin: "Ja klar gibt es die. Aber sehr wenige. Wollt ihr euch nicht anmelden?"
Lena und Anja: "...ääh...nee danke, du. Ich glaube wir beenden das hier lieber."
Aus dem Mai: Fußball-Kommandos mit Kevin Stuhr Ellegaard

