Frauen bei Hertha

Arbeiten eigentlich auch Frauen bei Hertha BSC? Ja klar!!! Und zwar eine ganze Menge. Hier wollen wir euch zeigen, welche Frauen bei Hertha BSC arbeiten und was sie machen. Dieses Mal wollen wir euch Anouschka Bernhard (Kleinfeldkoordination) vorstellen.

Anouschka Bernhard an ihrem Arbeitsplatz im Büro

"Mit freundlichen Grüßen - Anouschka Bernhard"

Das ist die Schlussformel, die Anouschka Bernhard als Signatur an ihre E-Mails heranhängt. Anouschka, das ist, egal in welcher Schreibweise, ein weiblicher Name. Trotzdem erreichen die 36-Jährige des Öfteren Antworten, die mit "Sehr geehrter Herr Anouschka" beginnen. Der Grund dafür, ist der immer noch weit verbreitete Glaube, dass bei Fußballvereinen nur Männer arbeiten würden, die zum Beispiel Bernhard Anouschka heißen. Anouschka Bernhard ist allerdings kein Mann und damit das beste Gegenbeispiel.

Die ehemalige Fußball-Nationalspielerin ist bei Hertha BSC seit vier Jahren als Kleinfeldkoordinatorin angestellt. In dieser Funktion ist sie für die Mannschaften von der U7 bis U13 zuständig und leitet "nebenbei" auch noch die Herthinho Fußball Ferienschule. "Die Arbeit mit den Kindern macht am meisten Spaß, weil man von ihnen ein unmittelbares und vor allem ehrliches Feedback bekommt", erzählt sie in einer seltenen freien Minute, "aber die Möglichkeit strukturelle Dinge in der Ausbildung zu verändern und zu verbessern, ist auch eine tolle Sache."

Im Zwiegespräch mit den Eltern

Trainingsschwerpunkte setzen

Denn auch das gehört zu den Aufgaben der 36-Jährigen: Trainingsschwerpunkte setzen und mit den Trainern zusammen die restlichen Inhalte klären. "Ich trainiere die Jungs zwar nicht selber, stehe aber im Regelfall zwei- bis dreimal die Woche auf dem Platz, um mich zu informieren und mir ein eigenes Bild von den Spielern zu machen." Häufig ist sie nämlich das Zünglein an der Waage, wenn es um Karrieren geht: "Ich bin auch für die Sichtung im Kleinfeldbereich verantwortlich. Das heißt, ich entscheide, in Absprache mit den Trainern, welche Spieler zu uns kommen und welche sich leider nicht so positiv entwickelt haben, wie wir uns das gewünscht hätten."

Dass es dabei schonmal zu unterschiedlichen Ansichten zwischen ihr und den jeweiligen Eltern kommen kann, gehört für die 36-Jährige dazu: "Es passiert schon, dass Eltern sehr unfair argumentieren und es ist auch nie leicht für uns, ein Kind wegzuschicken. Schließlich wachsen sie uns auch ans Herz. Trotzdem ist das nunmal das Geschäft und in allen Mannschaften so", erklärt sie den schwersten Teil ihres Berufs. "Wir bemühen uns natürlich, den Spielern in so einem Fall an einen ordentlichen Verein oder Trainer zu vermitteln. Ein paar kommen dann manchmal wenige Jahre später sogar wieder zurück zu uns." Die Ansprechpartnerin sowohl für die Hertha-Trainer, als auch für die Eltern hofft auf jeden Fall, "dass bei mir mehr Karrieren starten, als zuende gehen."

Immer informiert

Beim NOK nicht glücklich geworden

Für ihre eigene Karriere bei Hertha bewarb sie sich selbst, hatte dabei aber auch das Glück des Tüchtigen. Alles fing damit an, dass Bernhard nach ihrem Dreifachstudium der Sportwissenschaft, Germanistik und Psychologie in Tübingen und Frankfurt beim Nationalen Olympischen Komitee anfing. Dort war sie Mitglied des Projekts Frauenförderung "Frauen an die Spitze", merkte jedoch schon bald, "dass das nicht so mein Thema war." Sie ließ das NOK links liegen und zog nach Berlin. "Ich hatte keine Job und nur ein paar Ideen im Kopf", sagt sie heute über diese mutige Entscheidung im Frühjahr 2003. Doch sehr schnell zeigt sich, dass es die richtige war. Denn bei Hertha wird im Mai 2003 ihre heutige Stelle frei. Sie bewirbt sich und wird genommen.

Seit diesem Tag arbeitet die braunhaarige Powerfrau (Hobbies: "Sport! Im Sommer Laufen, Golf und Fahrrad-, im Winter Skifahren") beim Berliner Bundesligisten und hat, laut eigener Aussage, ihren Traumjob gefunden. "Wenn mit Traumjob gemeint ist, dass man eine Arbeit hat, bei der man seiner Leidenschaft verbunden bleibt, ist es das sicherlich." Schließlich trat Bernhard 20 Jahre lang selber gegen das runde Leder, spielte in der Bundesliga erfolgreich beim FSV Frankfurt wurde dort mehrfacher Deutsche Meisterin sowie Pokalsiegerin und war später in Frankfurt auch Trainerin. Den Höhepunkt ihrer Karriere erlebte sie bei der Europameisterschaft 1995, als sie mit der deutschen Elf den Titel holte. Im gleichen Jahr wurde sie auch Vizeweltmeisterin.

Der kritische Blick

"Hat die überhaupt Ahnung vom Fußball?"

Doch für die tägliche Arbeit bringen ihr diese Dinge nichts: "Erfolge die man im Frauenfußball erreicht, bleiben auch da", erklärt sie die Unwissenheit vieler Leute in ihrem Umfeld, "vor allem Väter klopfen erst einmal ab: Hat die überhaupt Ahnung von Fußball?" Doch nach wenigen Gesprächen sind dann meist alle überzeugt. "Die Mütter junger Spieler finden es klasse, dass man sich beim Thema Fußball von Frau zu Frau unterhalten kann." Bei der täglichen Arbeit fühlt sie sich ohnehin nicht als Exotin: "Bei Hertha ist das kein Thema. Da zählt die fachliche Qualifikation und fertig."

Aber selbst wenn das nicht so gewesen wäre, die Ex-Fußballerin wäre vorbereitet gewesen: "Wenn man das macht, muss man sich vorher im Klaren sein, dass man bei solchen Dingen nicht rumheulen darf." Anouschka Bernhard ist sich im Klaren. Und wenn mal wieder eine Mail an "Herrn Anouschka" in ihrem Postfach auftaucht, schreibt sie einfach zurück und berichtigt den Fehler:

"Mit freundlichen Grüßen - Anouschka Bernhard"

Aus dem April: Magdalena Palewicz (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)

Aus dem März: Silke Corleisen (Ticketing)

Aus dem Februar: Lena Lange (Mitgliederbetreuung)

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