Fußballersprache
In dieser Rubrik beleuchten wir jeden Monat bestimme Begriffe aus der Welt des Fußballs. Ob das der Libero, die Blutgrätsche oder die Bananenflanke ist, wir wissen, was es bedeutet.
Fußballer-Kommandos mit Kevin Stuhr Ellegaard

- Magda lässt sich von Kevin die Kommandos erklären
Kevin Stuhr Ellegaard kam frisch aus dem Bett zum Termin mit herthafreundin.de. Als er jedoch hörte worum es ging, war er sofort hellwach. Denn Redakteurin Magdalena Palewicz wollte vom dänischen Torhüter von Hertha BSC wissen, wie sich die Spieler verschiedener Sprachen auf dem Platz verständigen und erfuhr, dass eigentlich gar nicht so viel geredet wird...
Magdalena: Kevin, welche Kommandos benutzt ihr auf dem Platz?
Kevin: Also pauschal kann man sagen, dass es im Fußball nur eine Sprache gibt: die des Fußballs selbst. Da gibt es dann aber mehrere Ebenen, zum Beispiel wie hart man einen Mitspieler anspielt. Wenn du ihm den Ball druckvoll zuspielst, dann weiß er automatisch dass er kaum Zeit hat, den Ball anzunehmen, weil direkt hinter ihm ein Gegenspieler steht. Im Umkehrschluss heißt das, bei einem lockeren Pass hast du als Mitspieler mehr Zeit zur Ballannahme.
Magdalena: Aber ihr redet doch sicherlich eine Menge auf dem Platz oder?
Kevin: Ich würde das nicht reden nennen. Das sind immer nur kurze Kommandos, bei mir als Torwart ist das jedenfalls so. Ich sehe das ganze Spiel am besten.
Magdalena: Was sind das für Kommandos?
Kevin: Ganz banale Sachen wie "Hintermann", "Drehen", "Zeit", "Leo" oder "Linie".
Magdalena: Erklär doch mal was die alle bedeuten!
Kevin: Ok, also "Hintermann" rufst du, wenn ein Mitspieler den Ball bekommt und ein Gegenspieler ihn sofort hinter seinem Rücken angreift. Er kann ihn ja nicht sehen, also hilft man ihm mit diesem Kommando. "Drehen" und "Zeit" sind ähnlich, weil sie beide aussagen, dass der Mitspieler eben Zeit hat und sich drehen kann. "Leo" rufen die Spieler, wenn ein Mitspieler den Ball durchlassen soll, weil man besser steht.
Magdalena: Ist "Leo" denn noch erlaubt?
Kevin: Klar, warum denn nicht?
Magdalena: Ich dachte, dass darf man genau wie "Lass" nicht mehr sagen, weil man damit den Gegenspieler irritiert und das unsportliches Verhalten ist?
Kevin: Das hab ich noch nicht gehört, zumindest im Training wird das bei uns auf jeden Fall noch benutzt.
Magdalena: Na gut, gibt es spezielle Kommandos für spezielle Positionen?
Kevin: Naja, da spreche ich jetzt für mich als Torhüter und bis auf die bereits genannten gibt es noch "Kurz" und "Lang". Wenn ein Stürmer auf unser Tor zurennt und ein Abwehrspieler und ich noch dazwischen stehen, dann rufe ich ihm zu, dass er eine der Ecken des Tores - je nachdem von wo der Stürmer kommt -, also die kurze oder eben die lange Ecke zudecken soll.
Magdalena: Und sonst wird auf dem Platz wirklich nicht geredet?
Kevin: Das kommt eben auf den jeweiligen Spielertypen und seine Position an. Bei uns ist zum Beispiel Dick van Burik jemand, der sehr viel redet, aufmuntert und anstachelt. Mit seiner Erfahrung hören ihm natürlich alle zu. Auch Arne Friedrich als Kapitän redet sehr viel.
Magdalena: Wie ist das mit den ausländischen Spielern?
Kevin: Wie gesagt: Fußball ist multilingual. Jeder Spieler auf diesem Niveau weiß, was er falsch macht und was gut war. Jeder Spieler weiß auch, was gemeint ist, wenn er angeschrien wird, dafür braucht man keine einheitliche Sprache. Wenn man seinen Namen ruft und klatscht, dann weiß der Spieler, dass das eine gute Aktion war.
Magdalena: Woher lernen die ausländischen Spieler, wie bei Hertha seit kurzem Mineiro, die Kommandos, die du angesprochen hast?
Kevin: So etwas muss man als Fußballer ganz schnell erlernen. Mineiro musste sofort wissen, was "Links", "Rechts", "Kurz" und "Lang" bedeutet. Das habe ich ihm erklärt und das reicht dann auch erstmal.
Magdalena: Wie sieht es denn mit Handzeichen aus auf dem Platz? Wird damit auch gearbeitet?
Kevin: Ja klar. Jeder Spieler hat seine speziellen Kommandos.
Magdalena: Und wie sehen die aus?
Kevin: Das kann ich dir echt nicht sagen. Wenn gegnerische Spieler das lesen, wissen sie ja was los ist. Die sollen das mal schön selber herausfinden.
Magdalena: Danke, Kevin.
Kevin: Kein Problem!

