Die Regel des Monats

In unserer Rubrik "Regel des Monats" versucht sich jede Woche eine prominente Frau daran, euch die kniffligsten Fußballregeln zu erklären. Egal ob Abseits, grobes Foulspiel oder indirekter Freistoß, was den Fußball angeht, wissen unsere Frauen Bescheid.

Gelbe und Rote Karte - von Ruth Moschner

Ruth Moschner ist Fernsehmoderatorin und Hertha-Fan. Außerdem erklärt sie den Herthafreundinnen die Gelbe und Rote Karte.

Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur neuen Frauenseite von Hertha BSC. Für mich als  bekennenden Fan des Vereins ist das jedes Mal wie ein Handkuss, wenn ich auf herthafreundin.de surfe. Vielen Dank!

Besonders gut gefällt mir, dass wir Frauen hier auch mal zu Wort kommen. Der Artikel von Vera Int-Veen zum Thema Abseitsregel war wirklich klasse!

Gelbe und Rote Karte

Nun stehe ich also vor der großen Aufgabe, die Gelbe und die Rote Karte zu erklären. Gelb ist ja DIE Modefarbe der kommenden Saison und rot mochte ich schon immer. Leider hilft mir das diesmal nicht wirklich weiter. Denn in diesem Fall ist das Regelwerk im Fußball weitaus größer als auf dem roten Teppich. Roter (!) Teppich, da haben wir es ja schon wieder.

Aber zurück auf den grünen Rasen. Es gibt 34 unterschiedliche Regeln, die die Vergabe der beiden Karten definieren. Unsportliche Handlungen wie Ballwegschlagen, Zeitspiel oder taktische Fouls veranlassen den Schiri in seine Brusttasche zu greifen und die Gelbe Karte zu ziehen. Greift er in seine Hosentasche wird’s richtig ernst, denn da steckt meist die Rote Karte. In Fachkreisen auch Arschkarte genannt. Nicht, weil der Spieler, dem diese Karte gezeigt wurde jetzt einer wäre, sondern, weil sie in der Nähe des besagten Körperteils aufbewahrt wird. Kein Scherz.

Trikot hochziehen? Dafür sollte es Eintrittskarten geben

Nicht ganz so lustig finde ich es allerdings, dass Spieler tatsächlich eine Gelbe Karte bekommen, wenn sie sich während des Torjubels das Trikot hochziehen. Hallo? Da müsste es doch ganz andere Karten regnen. Eintrittskarten! Denn das ist es doch, was so ein Fußballspiel ausmacht. Emotionen, sportliche Jungs und ganz viel Spaß am Spiel! Kaum rutscht das Hemdchen über den Kopf wird also die Gelbe Karte gezückt. Wirklich schade.

Sehr gut finde ich jedoch, dass die Schiris mittlerweile bei Schwalben richtig streng geworden sind. Man hatte ja zuletzt fast das Gefühl gewisse italienische Mannschaften wären speziell dafür trainiert worden... Wer im Strafraum also einen auf Zugvogel macht ohne von einem anderen Spieler berührt worden zu sein, bekommt statt dem gewünschten Elfmeter die Gelbe Karte! Arrivederci!

Beiß mich, tritt mich, gib mir Tiernamen!

Genauso verhält es sich natürlich bei taktischen Fouls wie dem Festhalten des Trikots, natürlich des Abwehrspielers beim Angriff, das eigene dürfte man theoretisch festhalten. Ein Handspiel ist übrigens nicht unbedingt mit einer Gelben Karte zu ahnden. Es sei denn, der Spieler nutzt die Hand, um ein Tor zu erzielen, oder eine Chance zu verhindern. Verhindert der Spieler ein Tor mit der Hand gibt´s sogar die Rote Karte und obendrein noch einen Elfmeter. Deswegen heißt der Sport ja auch FUSSBALL und nicht Handball. Dann wären wir zwar Weltmeister, aber das Stadion wäre nur halb so voll.

Kommen wir nun zu den richtig fiesen Kalibern der Kategorie: Beiß mich, kratz mich, gib mir Tiernamen. Wenn Männer ROT sehen, dann müssen sie vom Platz. Das ist zwar hart, aber wer andere haut, tritt, beschimpft oder gar bespuckt muss gehen. Ich sage nur Rudi Völler und Frank Rijkaard... Ganz schlimm war natürlich auch Zinedine Zidanes Auftritt bzw. Abtritt bei der WM 2006. Mann, muss der sauer gewesen sein. Auch wer durch sein Einsteigen eine Verletzung des Gegner in Kauf nimmt, muss frühzeitig unter die Dusche.

Schiri is watching you...

Sammler und Spieler mit Kurzzeitgedächtnis haben es im Fußballsport besonders schwer. Denn bei zwei Vergehen in einem Spiel, die eine Gelbe Karte nach sich ziehen, gibt´s vom Schiedsrichter die Gelb-Rote Karte, auch Ampelkarte genannt. Klingt schöner als es ist.

Bei fünf Gelben Karten in der Bundesliga wird der Spieler für eine Partie gesperrt (im DFB-Pokal und den internationalen Wettbewerben sind es drei). Bei einer Gelb-Roten Karte muss er beim nächsten Spiel desselben Wettbewerbs zusehen. Die Strafen für Rote Karten werden übrigens vom DFB-Kontrollausschuss verhängt und richten sich nach der Schwere des Vergehens. Übrigens: Auch einem Auswechselspieler kann der Schiri die Gelbe oder Rote Karte zeigen. Schiri is watching you....

Männer brauchen Regeln

Kurzum meine Damen, es ist wie es ist. Männer brauchen einfach gewisse Regeln, damit sie sich in der Welt zurechtfinden. Und das gilt nicht nur auf dem Fußballplatz.

Wer es ganz genau wissen möchte, hier nochmal das ellenlange Reglement in aller Ausführlichkeit:

Regel 12 – Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen
Anweisungen des DFB


1. Disziplinarmaßnahmen
Die Rote oder die Gelbe Karte können nur einem Spieler, einem Ersatz- oder
ausgewechselten Spieler gezeigt werden.
Disziplinarstrafen darf der Schiedsrichter vom Betreten des Spielfeldes bis
zum Verlassen des Feldes nach dem Schlusspfiff aussprechen.
Ein des Feldes verwiesener Spieler muss die Technische Zone und die
Umgebung des Spielfeldes verlassen.

2. Jeder Spieler, der den Schiedsrichter angreift oder beleidigt, wird des
Feldes verwiesen.

3. Jeder Spieler, der gegen eine Schiedsrichter-Entscheidung protestiert,
wird verwarnt.

4. Unter gewaltsamem Spiel versteht man den Angriff eines Spielers auf den
Gegner, ohne dass dabei um den Ball gekämpft wird.

5. Greift ein Spieler einen Mannschaftskameraden, den Schiedsrichter, einen
Schiedsrichter-Assistenten, einen Zuschauer usw. an, so gilt dies ebenfalls
als gewaltsames Spiel.

6. Treten und Schlagen sind Tätlichkeiten und bedingen – ebenso wie grobe
Unsportlichkeiten – einen Feldverweis mit der Roten Karte ohne vorherige
Verwarnung des schuldigen Spielers (grob unsportlich ist z. B. das
Anwerfen eines Mitspielers).

7. Wenn ein Spieler der verteidigenden Mannschaft wegen Tretens oder
Schlagens eines Gegners innerhalb des Strafraumes vom Spielfeld gewiesen
wird, muss der Schiedsrichter außerdem noch einen Strafstoß verhängen,
wenn sich der Ball im Spiel befand.

8. Wenn sich zwei Spieler außerhalb der Spielfeldgrenze befinden und einer
tritt oder schlägt absichtlich den anderen, während der Ball noch im Spiel
ist, hat der Schiedsrichter das Spiel zu unterbrechen und den schuldigen
Spieler vom Spielfeld zu weisen. Das Spiel ist durch Schiedsrichter-Ball an
der Stelle fortzusetzen, an der sich der Ball zum Zeitpunkt der Spielunterbrechung befand.*)

8. Das Anspucken eines Spielers und der Versuch sind gleich (direkter
Freistoß, Feldverweis) zu bestrafen.

10. Der Verstoß des Anspuckens von Offiziellen und anderen Personen oder
ähnlich ungebührliches Benehmen soll als grob unsportliches Betragen im
Sinne der Regel 12 betrachtet werden.

11. Normalerweise wird ein Spieler wegen Haltens nicht verwarnt. Eine Verwarnung
wird aber erforderlich, wenn ein Spieler einen Gegner hält, um ihn
daran zu hindern, in Ballbesitz zu gelangen.       

12. Absichtliches Handspiel liegt vor, wenn der Ball mit der Hand oder dem Arm
gehalten, gestoßen oder geschlagen wird. Wird der Ball jedoch aus kurzer
Entfernung gegen den normal gehaltenen Arm geschossen, so ist dies nicht
als Absicht zu werten.

13. Normalerweise wird ein Spieler wegen Handspiels nicht verwarnt. Eine
Verwarnung wird aber erforderlich, wenn ein angreifender Spieler versucht,
mit Hilfe seiner Hände ein Tor zu erzielen, und wenn ein Spieler ein
unsportliches Handspiel begeht (z.B. Verhinderung eines aussichtsreichen
Angriffs).

14. Jedes unsportliche Betragen ist – neben dem gegebenenfalls verschuldeten
indirekten Freistoß – mit einer Verwarnung zu bestrafen. Falls der
Schiedsrichter die Vorteilbestimmung anwendet, hat er eine erforderliche
Verwarnung bei der nächsten Spielunterbrechung auszusprechen.
Begeht ein Spieler bis dahin ein weiteres Vergehen, das „Gelb“ nach sich
zieht, so ist der Spieler mit „Gelb-Rot“ des Feldes zu verweisen (zunächst
„Gelb“ und dann „Gelb-Rot“).

15. Wird ein bereits verwarnter Spieler während eines Spieles in Folge einer zweiten
Verwarnung des Feldes verwiesen, muss der Schiedsrichter ihm zuerst die
Gelbe Karte und unmittelbar danach die Rote Karte zeigen. (Damit soll deutlich
signalisiert werden, dass der Feldverweis aufgrund des zweiten verwarnungswürdigen
Verstoßes und nicht etwa aufgrund eines Verstoßes, der einen
sofortigen Ausschluss zur Folge gehabt hätte, ausgesprochen wurde.)

16. Wenn ein Schiedsrichter im Begriff ist, einen Spieler zu verwarnen, und dieser
Spieler, ehe die Verwarnung ausgesprochen ist, einen weiteren Verstoß
begeht, der eine Verwarnung nach sich zieht, so muss der Spieler mit „Gelb-
Rot“ des Feldes verwiesen werden (zunächst „Gelb“, dann „Gelb-Rot“).

17. Wenn nach Meinung des Schiedsrichters ein Torwart sich länger als notwendig
auf den Ball legt, macht er sich unsportlichen Betragens schuldig.

18. Der Torhüter ist mit der Roten Karte des Feldes zu verweisen, wenn er
außerhalb seines Strafraumes den Ball absichtlich mit den Händen spielt
und so eine klare Tormöglichkeit zunichte macht oder einen offensichtlichen
Torerfolg verhindert.

19. Das unabsichtliche Ablenken des Balles mit dem Fuß oder den Füßen (der
Ball wird von einem Mannschaftskollegen des Torhüters ungewollt abgefälscht
oder nicht richtig getroffen) ist kein Rückpass im Sinne der Regel.

20. Situationen, in welchen der Ball von einem Mannschaftskollegen mit dem
Fuß zwar nicht direkt in Richtung des Torhüters, jedoch absichtlich so gespielt
wird (beispielsweise neben das Tor), dass der Torhüter den Ball annehmen
kann, sind im Sinne dieser Regel als absichtliche Rückpässe an den
Torhüter zu werten. Berührt der Torwart in solchen Fällen den Ball mit den
Händen, ist ein indirekter Freistoß zu verhängen. Ein indirekter Freistoß ist auch dann zu verhängen, wenn ein Mitspieler des Torhüters den Ball mit
dem Fuß absichtlich stoppt und der Torhüter diesen Ball mit der Hand
berührt.

21. Ein Verstoß gegen die Spielregel liegt ebenfalls vor, wenn sich ein Spieler
beim Eckstoß vor den Torhüter stellt, um diesen dadurch zu behindern, bevor
der Eckstoß ausgeführt und der Ball im Spiel ist.

22. Ein Spieler ist in Ballbesitz, auch wenn er den Ball aus taktischen Gründen
deckt, ihn aber nicht berührt, er jedoch in Spielnähe bleibt. Wenn er dabei
den Gegner hindert, ihn also sperrt, ist dies keine Regelübertretung. Der
ballführende Spieler darf nun korrekt gerempelt werden.

23. Wenn ein Spieler seine Arme ausstreckt, um einen Gegner zu stören, von einer
Seite auf die andere tritt, seine Arme auf und ab bewegt, um ihn zu
behindern und zu zwingen, die Richtung zu ändern, ihn dabei aber körperlich
nicht berührt, hat der Schiedsrichter den Spieler wegen unsportlichen
Verhaltens zu verwarnen und einen indirekten Freistoß anzuordnen.

24. Scherenschläge oder Fallrückzieher sind erlaubt, sofern sie nach Ansicht
des Schiedsrichters nicht einen Gegenspieler gefährden.

25. Wenn der Spieler nach Spielbeginn in seine Mannschaft eintritt, hat er sich
beim Schiedsrichter zu melden. Dies ist so zu verstehen, dass er von der
Seitenlinie aus die Aufmerksamkeit des Schiedsrichters auf sich zu lenken
hat. Das Zeichen des Schiedsrichters soll durch eine eindeutige Geste gegeben
werden, die dem Spieler verständlich macht, dass er das Spielfeld
betreten darf. Es ist nicht notwendig, dass der Schiedsrichter bis zu einer
Spielunterbrechung wartet. (Diese Bestimmung ist nicht auf den in der
Regel 4 vorgesehenen Fall anwendbar.) Nur ihm steht es zu, den Zeitpunkt
zu bestimmen, wann er das Zeichen seines Einverständnisses geben will.

26. Der Torwart darf im Torraum nicht gerempelt werden, außer er hält den Ball
oder hindert einen Gegner.

27. Jeglicher Angriff auf den Ball, den der Torwart hält, ist verboten (gefährliches
Spiel).

28. Ein Verstoß liegt dann vor, wenn ein Spieler vor einem Torhüter hin und her
läuft, um ihn daran zu hindern, den Ball wieder ins Spiel zu bringen.

29. Hält ein Spieler z.B. mit einem Schienbeinschützer in der Hand den Ball auf,
so ist auf Handspiel zu entscheiden.

30. Schlägt ein Spieler einen Gegenspieler, ist der Tatort, wo der Spieler getroffen
wurde (Kontaktvergehen). Wirft ein Spieler einen Gegenstand an den
Körper eines Gegenspielers, ist der Tatort, wo der Spieler getroffen wurde
(oder hätte getroffen werden sollen – Wurfvergehen).

31. Betritt ein Auswechselspieler oder ausgewechselter Spieler unerlaubt das
Spielfeld und erreicht durch das Wegspielen des Balles, dass ein Tor verhindert
wird, so gibt es einen indirekten Freistoß an der Stelle, wo bei der
Unterbrechung der Ball war und der Spieler wird lediglich verwarnt.

32. Betritt ein Spieler, Auswechselspieler oder ausgewechselter Spieler ohne
Erlaubnis des Schiedsrichters das Spielfeld und begeht ein weiteres verwarnungswürdiges
Vergehen, so ist dieser Spieler mit „Gelb-Rot“ des
Feldes zu verweisen. (Erst wird „Gelb“, anschließend „Gelb-Rot“ gezeigt.)

33. „Kontakt- und Wurfvergehen“ (Schlagen, Werfen) führen neben der persönlichen
Strafe zu einem direkten Freistoß. Die Spielfortsetzung erfolgt
dort, wo getroffen wurde oder werden sollte.
Richten sich solche Vergehen nicht gegen einen Gegenspieler (z.B.
Mitspieler, Zuschauer, Personen in der technischen Zone), so handelt es
sich um eine (grobe) Unsportlichkeit. Tatort (Freistoß-Ort) ist der Ort des
Vergehens. Das Spiel wird dabei mit indirektem Freistoß fortgesetzt.

34. Der Schiedsrichter muss einen Spieler verwarnen, der die Wiederaufnahme
des Spiels verzögert, indem er z.B.
_ einen Freistoß absichtlich an der falschen Stelle ausführt, um damit den
Schiedsrichter zu zwingen, die Ausführung wiederholen zu lassen,
_ einen Einwurf vorbereitet, dann aber plötzlich den Ball einem Mitspieler
überlässt,
_ nach einer Spielunterbrechung durch den Schiedsrichter den Ball wegspielt
oder ihn mit den Händen wegträgt,
_ die Ausführung eines Einwurfs oder eines Freistoßes übermäßig verzögert,
_ bei seiner Auswechslung das Spielfeld absichtlich langsam verlässt,
_ eine Konfrontation provoziert, indem er den Ball absichtlich in die Hand
nimmt, nachdem der Schiedsrichter das Spiel unterbrochen hat.

Barbara Schöneberger erklärt das passive Abseits

Vera Int-Veen erklärt die Abseitsregel